Wanderung

Justinus Kerner

1862

Wohlauf und frisch gewandert ins unbekannte Land! Zerrissen, ach zerrissen, ist manches teure Band. Ihr heimatlichen Kreuze, wo ich oft betend lag, Ihr Bäume, ach, ihr Hügel, oh blickt mir segnend nach.

Noch schläft die weite Erde, kein Vogel weckt den Hain, Doch bin ich nicht verlassen, doch bin ich nicht allein, Denn, ach, auf meinem Herzen trag′ ich ihr teures Band, Ich fühl′s, und Erd und Himmel sind innig mir verwandt.

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Illustration zu Wanderung

Interpretation

Das Gedicht "Wanderung" von Justinus Kerner handelt von der emotionalen Reise eines Wanderers, der sich von seiner Heimat entfernt. Es beginnt mit der Aufbruchstimmung, die jedoch von einem Gefühl des Verlusts und der Trennung überschattet wird. Der Wanderer verlässt vertraute Orte wie Kreuze, Bäume und Hügel, die ihm Trost und Geborgenheit spendeten. Er blickt ihnen segnend nach, als ob er sich von ihnen verabschieden würde. Im zweiten Teil des Gedichts beschreibt der Wanderer die Stille und Einsamkeit der neuen Umgebung. Die Erde schläft noch, und kein Vogel weckt den Hain. Doch der Wanderer fühlt sich nicht allein, denn er trägt das "teure Band" seiner Liebsten auf seinem Herzen. Dieses Band symbolisiert die Verbindung zu seiner Heimat und zu den Menschen, die er zurückgelassen hat. Es gibt ihm Kraft und Mut, die Reise fortzusetzen. Im letzten Teil des Gedichts erkennt der Wanderer, dass er trotz der Entfernung von seiner Heimat nicht fremd ist. Er fühlt sich mit der Erde und dem Himmel verbunden, als ob sie ihm innig verbunden wären. Dies deutet darauf hin, dass der Wanderer eine spirituelle oder emotionale Verbindung zur Natur und zum Universum spürt. Er ist nicht mehr nur ein Wanderer, sondern ein Teil des Ganzen.

Schlüsselwörter

zerrissen band wohlauf frisch gewandert unbekannte land manches

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Stilmittel

Anapher
Doch bin ich nicht verlassen, doch bin ich nicht allein
Apostrophe
Ihr heimatlichen Kreuze, wo ich oft betend lag
Hyperbel
Ich fühl's, und Erd und Himmel sind innig mir verwandt
Kontrast
Wohlauf und frisch gewandert ins unbekannte Land
Metapher
Ich fühl's, und Erd und Himmel sind innig mir verwandt
Personifikation
Ihr Bäume, ach, ihr Hügel, oh blickt mir segnend nach