Wandersprüche
17881
Es geht wohl anders, als du meinst: Derweil du rot und fröhlich scheinst, Ist Lenz und Sonnenschein verflogen, Die liebe Gegend schwarz umzogen; Und kaum hast du dich ausgeweint, Lacht alles wieder, die Sonne scheint - Es geht wohl anders, als man meint.
2
Herz, in deinen sonnenhellen Tagen halt nicht karg zurück! Allwärts fröhliche Gesellen Trifft der Frohe und sein Glück.
Sinkt der Stern: alleine wandern Magst du bis ans End der Welt - Bau du nur auf keinen andern Als auf Gott, der Treue hält.
3
Was willst auf dieser Station So breit dich niederlassen? Wie bald nicht bläst der Postillon, Du mußt doch alles lassen.
4
Die Lerche grüßt den ersten Strahl, Daß er die Brust ihr zünde, Wenn träge Nacht noch überall Durchschleicht die tiefen Gründe.
Und du willst, Menschenkind, der Zeit Verzagend unterliegen? Was ist dein kleines Erdenleid? Du mußt es überfliegen!
5
Der Sturm geht lärmend um das Haus, Ich bin kein Narr und geh hinaus, Aber bin ich eben draußen, Will ich mich wacker mit ihm zausen.
6
Ewig muntres Spiel der Wogen! Viele hast du schon belogen, Mancher kehrt nicht mehr zurück. Und doch weckt das Wellenschlagen Immer wieder frisches Wagen, Falsch und lustig wie das Glück.
7
Der Wandrer, von der Heimat weit, Wenn rings die Gründe schweigen, Der Schiffer in Meeres Einsamkeit, Wenn die Stern aus den Fluten steigen:
Die beide schauern und lesen In stiller Nacht, Was sie nicht gedacht, Da es noch fröhlicher Tag gewesen.
Das Gedicht als Bild, zum Downloaden und Teilen

Interpretation
Das Gedicht "Wandersprüche" von Joseph von Eichendorff ist eine Sammlung von sieben kurzen Gedichten, die sich mit den Themen der Vergänglichkeit, der Lebensfreude, der Treue zu Gott, der Vergänglichkeit des Lebens, der Überwindung von Schwierigkeiten, der Täuschung durch das Glück und der Einsamkeit beschäftigen. In den ersten beiden Gedichten wird die Vergänglichkeit des Lebens thematisiert. Im ersten Gedicht wird deutlich, dass das Leben oft anders verläuft, als man es sich vorstellt. Während man noch fröhlich und unbeschwert ist, kann sich die Situation plötzlich ändern. Doch auch in schweren Zeiten gibt es Hoffnung, denn das Leben geht weiter und die Sonne scheint wieder. Im zweiten Gedicht wird dazu aufgerufen, das Leben in vollen Zügen zu genießen und fröhlich zu sein, solange man kann. Doch wenn die Zeit des Glücks vorbei ist, sollte man allein weiterziehen und sich auf Gott verlassen. Das dritte Gedicht handelt von der Vergänglichkeit des Lebens und der Unvermeidlichkeit des Todes. Es wird darauf hingewiesen, dass man sich nicht zu sehr an materielle Dinge binden sollte, da man sie am Ende doch alles zurücklassen muss. Das vierte Gedicht beschreibt die Überwindung von Schwierigkeiten und die Notwendigkeit, über kleine Probleme hinwegzusehen. Die Lerche, die den ersten Sonnenstrahl begrüßt, symbolisiert die Fähigkeit, über die Dunkelheit hinauszuschauen und das Licht zu sehen. Das fünfte Gedicht zeigt die Bereitschaft, sich den Herausforderungen des Lebens zu stellen. Der Wanderer geht mutig hinaus, um dem Sturm zu begegnen und ihn zu besiegen. Das sechste Gedicht handelt von der Täuschung durch das Glück. Die Wellen des Meeres locken viele Menschen an, aber nur wenige kehren zurück. Dennoch weckt das Rauschen der Wellen immer wieder den Mut, neue Abenteuer zu wagen. Das siebte und letzte Gedicht beschreibt die Einsamkeit von Wanderern und Schiffern, die in der Stille der Nacht über das Nachdenken, was sie in der heiteren Tageszeit nicht bedacht haben. Insgesamt vermittelt das Gedicht "Wandersprüche" die Botschaft, das Leben in vollen Zügen zu genießen, sich auf Gott zu verlassen, sich den Herausforderungen mutig zu stellen und die Vergänglichkeit des Lebens zu akzeptieren.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Hyperbel
- Mancher kehrt nicht mehr zurück
- Imperativ
- Herz, in deinen sonnenhellen Tagen halt nicht karg zurück!
- Kontrast
- In stiller Nacht, Was sie nicht gedacht, Da es noch fröhlicher Tag gewesen
- Metapher
- Die beide schauern und lesen
- Personifikation
- Wenn die Stern aus den Fluten steigen
- Rhetorische Frage
- Und du willst, Menschenkind, der Zeit Verzagend unterliegen?
- Symbolik
- Bau du nur auf keinen andern Als auf Gott, der Treue hält