Wandernder Dichter

Joseph von Eichendorff

1788

Ich weiß nicht, was das sagen will! Kaum tret ich von der Schwelle still, Gleich schwingt sich eine Lerche auf Und jubiliert durchs Blau vorauf.

Das Gras ringsum, die Blumen gar Stehn mit Juwelen und Perln im Haar, Die schlanken Pappeln, Busch und Saat Verneigen sich im größten Staat.

Als Bot′ voraus das Bächlein eilt, Und wo der Wind die Wipfel teilt, Die Au verstohlen nach mir schaut, Als wär sie meine liebe Braut.

Ja, komm ich müd ins Nachtquartier, Die Nachtigall noch vor der Tür Mir Ständchen bringt, Glühwürmchen bald Illuminieren rings den Wald.

Umsonst! Das ist nun einmal so, Kein Dichter reist inkognito, Der lustge Frühling merkt es gleich, Wer König ist in seinem Reich.

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Illustration zu Wandernder Dichter

Interpretation

Das Gedicht "Wandernder Dichter" von Joseph von Eichendorff thematisiert die Beziehung zwischen dem Dichter und der Natur, wobei die Natur den Dichter als eine Art Herrscher oder König erkennt und feiert. Das Gedicht beginnt mit einer scheinbaren Verwirrung des Dichters, der nicht versteht, warum die Natur so auf ihn reagiert. Doch bereits beim ersten Schritt von seiner Schwelle entfernt, wird er von einer Lerche begrüßt, die jubilierend durch den blauen Himmel aufsteigt. Die Natur um ihn herum, repräsentiert durch Gras, Blumen, Pappeln und andere Pflanzen, erscheint geschmückt und verneigt sich vor ihm, als ob sie ihn ehren wollte. Das Bächlein eilt als Bote voraus, und die Au schaut verstohlen nach dem Dichter, als wäre sie seine Braut. Selbst in der Nacht, wenn er müde in sein Quartier kommt, wird er von der Nachtigall mit einem Ständchen begrüßt und von Glühwürmchen im Wald erleuchtet. Die Natur scheint den Dichter überallhin zu begleiten und ihm ihre Reverenz zu erweisen. Der Dichter erkennt, dass seine Anwesenheit in der Natur nicht unbemerkt bleibt und dass er als "König" in diesem Reich gefeiert wird. Die Natur reagiert auf ihn, als ob sie seine Anwesenheit bewusst wahrnimmt und ihn ehrt. Der Dichter ist somit nicht nur ein Beobachter der Natur, sondern wird von ihr als eine Art Herrscher oder Meister anerkannt und verehrt.

Schlüsselwörter

gleich weiß sagen will kaum tret schwelle still

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Stilmittel

Hyperbel
Kein Dichter reist inkognito
Metapher
Als wär sie meine liebe Braut
Personifikation
Glühwürmchen bald Illuminieren rings den Wald
Vergleich
Als Bot′ voraus das Bächlein eilt