Wanderlied
1903Türe auf, Türe zu, Niemals Rast, niemals Ruh’, Schöne Damen, liebe Herrn Kaufet freundlich, kaufet gern, Brauch’s auf Brot, und brauch’s auf Bier, Und das gönnt ihr sicher mir.
Türe auf, Türe zu, Niemals Rast, niemals Ruh’, In der Kälte, in der Glut, Keiner meiner Füße ruht, Such’ am Herde einen Platz, Finde keinen, keinen Schatz.
Schöne Damen, liebe Herrn Kaufet freundlich, kaufet gern, Komm aus fernem Lande her Und dem Fremdling wird’s so schwer: Türe auf, Türe zu, Niemals Rast, niemals Ruh'!
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Interpretation
Das Gedicht "Wanderlied" von Friederike Kempner beschreibt das harte Leben eines wandernden Handwerkers, der unermüdlich von Tür zu Tür zieht, um seine Waren zu verkaufen. Die Wiederholung der Zeilen "Türe auf, Türe zu, Niemals Rast, niemals Ruh'" betont die ununterbrochene Arbeit und das Fehlen von Ruhe und Erholung. Der Handwerker bittet die "schönen Damen" und "lieben Herrn", freundlich und gern zu kaufen, da er auf den Erlös angewiesen ist, um sich Brot und Bier leisten zu können. Der zweite Abschnitt verdeutlicht die körperlichen Strapazen, denen der Handwerker ausgesetzt ist. Er muss bei Kälte und Hitze unterwegs sein, und keiner seiner Füße ruht jemals aus. Obwohl er am Herde eines Platzes sucht, findet er weder Ruhe noch einen Schatz. Dies symbolisiert die Einsamkeit und die fehlende Geborgenheit des wandernden Handwerkers. Im letzten Abschnitt wird der Handwerker als Fremdling aus fernem Lande dargestellt, der es besonders schwer hat. Die Wiederholung des Refrains am Ende des Gedichts unterstreicht die Endlosigkeit seiner Arbeit und das Fehlen von Hoffnung auf Besserung. Das Gedicht vermittelt ein tiefes Mitgefühl für die schwierige Lebenssituation des wandernden Handwerkers und kritisiert die harten Bedingungen, unter denen er leben muss.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Anapher
- Türe auf, Türe zu, / Niemals Rast, niemals Ruh'
- Hyperbel
- Niemals Rast, niemals Ruh'
- Metapher
- In der Kälte, in der Glut
- Parallelismus
- Schöne Damen, liebe Herrn / Kaufet freundlich, kaufet gern