Wanderlied

Justinus Kerner

1840

Wohlauf! noch getrunken Den funkelnden Wein! Ade nun, ihr Lieben! Geschieden muss sein. Ade nun, ihr Berge, Du väterlich Haus! Es treibt in die Ferne Mich mächtig hinaus.

Die Sonne, sie bleibet Am Himmel nicht stehn, Es treibt sie, durch Länder Und Meere zu gehn. Die Woge nicht haftet Am einsamen Strand, Die Stürme, sie brausen Mit Macht durch das Land.

Mit eilenden Wolken Der Vogel dort zieht, Und singt in der Ferne Ein heimatlich Lied. So treibt es den Burschen Durch Wälder und Feld, Zn gleichen der Mutter, Der wandernden Welt.

Da grüßen ihn Vögel Bekannt überm Meer, Sie flogen von Fluren Der Heimat hieher; Da duften die Blumen Vertraulich um ihn, Sie trieben vom Lande Die Lüfte dahin.

Die Vögel, die kennen Sein väterlich Haus, Die Blumen einst pflanzt’ er Der Liebe zum Strauß, Und Liebe, die folgt ihm, Sie geht ihm zur Hand: So wird ihm zur Heimat Das ferneste Land.

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Illustration zu Wanderlied

Interpretation

Das Gedicht "Wanderlied" von Justinus Kerner thematisiert die Sehnsucht nach Freiheit und Abenteuer. Der Sprecher verabschiedet sich von seinen Liebsten und seiner Heimat, um in die Ferne zu ziehen. Er fühlt sich von einer starken Kraft getrieben, die ihn hinauszutreiben scheint. Kerners Gedicht vergleicht die Reise des Sprechers mit der Bewegung der Natur. Die Sonne, die Wellen, die Stürme und die Vögel ziehen alle weiter und bleiben nicht an einem Ort. Dies unterstreicht die Idee, dass es natürlich ist, sich fortzubewegen und neue Orte zu erkunden. Der Sprecher identifiziert sich mit diesen natürlichen Elementen und fühlt sich von ihnen inspiriert. Trotz der Distanz zu seiner Heimat findet der Sprecher Trost in der Natur und den Tieren, die ihn an seine Vergangenheit erinnern. Die Vögel und Blumen, die er kennt, begleiten ihn auf seiner Reise und lassen ihn sich verbunden fühlen. Die Liebe, die ihn begleitet, hilft ihm, sich in jedem Land zu Hause zu fühlen. Das Gedicht vermittelt die Idee, dass man durch Reisen und Entdecken neue Heimatgefühle entwickeln kann.

Schlüsselwörter

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Stilmittel

Alliteration
Mit eilenden Wolken Der Vogel dort zieht
Anapher
Ade nun, ihr Lieben! Ade nun, ihr Berge, Du väterlich Haus!
Metapher
Der Liebe zum Strauß
Personifikation
Die Sonne, sie bleibet Am Himmel nicht stehn
Symbolik
Die Vögel, die kennen Sein väterlich Haus