Waldlied

Ludwig Tieck

1773

Waldnacht! Jagdlust! Leis’ und ferner Klingen Hörner, Hebt sich, jauchzt die freie Brust! Töne, töne nieder zum Thal, Freun sich, freun sich allzumal Baum und Strauch beim muntern Schall.

Kling’ nur Bergquell! Epheuranken Dich umschwanken, Rieseln durch die Klüfte schnell! Fliehet, flieht das Leben so fort, Wandelt hier, dann ist es dort, - Hallt, zerschmilzt ein luftig Wort.

Waldnacht! Jagdlust! Daß die Liebe Bei uns bliebe, Wohnen blieb’ in treuer Brust! Wandelt, wandelt sich allzumal, Fliehet gleich dem Hörnerschall: - Einsam, einsam grünes Thal.

Kling’ nur Bergquell! Ach, betrogen - Wasserwogen Rauschen abwärts nicht so schnell! Liebe, Leben, sie eilen hin, Keins von beiden trägt Gewinn: - Ach, daß ich geboren bin!

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Illustration zu Waldlied

Interpretation

Das Gedicht "Waldlied" von Ludwig Tieck ist ein eindringliches Werk, das die Themen Natur, Liebe und Vergänglichkeit aufgreift. Es ist in vier Strophen unterteilt, wobei die ersten drei Strophen jeweils mit "Waldnacht! Jagdlust!" beginnen und die letzte Strophe mit "Kling' nur Bergquell!" einsetzt. Die Strophen sind durch das Refrain "Waldnacht! Jagdlust!" miteinander verbunden, was den Rhythmus und die Stimmung des Gedichts verstärkt. In der ersten Strophe beschreibt Tieck die nächtliche Jagd im Wald. Die Hörnerklänge und die Freude der Jäger werden mit den natürlichen Elementen wie Bäumen und Sträuchern in Verbindung gebracht. Die Jagd wird als eine freudige und lebendige Aktivität dargestellt, die die gesamte Natur in Aufregung versetzt. Die Strophe endet mit dem Bild des "muntern Schalls", das die Lebendigkeit und das Frohsein der Natur betont. Die zweite Strophe wechselt den Fokus auf den Bergquell und die Epheuranken, die um ihn herum schwanken. Hier wird die Vergänglichkeit des Lebens thematisiert, da das Wasser schnell durch die Klüfte rinnt und das Leben "fort" flieht. Die Strophe endet mit dem Bild des "luftigen Wortes", das zerschmilzt, was die Flüchtigkeit und Unbeständigkeit des Lebens unterstreicht. In der dritten Strophe kehrt Tieck zum Thema Liebe zurück. Er wünscht sich, dass die Liebe in der Brust bleibt und nicht wie die Jagd und das Leben vergeht. Die Strophe endet mit dem Bild des "einsamen grünen Tals", das die Einsamkeit und das Verlangen nach Beständigkeit in der Liebe symbolisiert. Die letzte Strophe beginnt erneut mit "Kling' nur Bergquell!" und reflektiert die Enttäuschung über die Vergänglichkeit von Liebe und Leben. Tieck drückt seine Trauer über die Tatsache aus, dass weder Liebe noch Leben einen Gewinn bringen, und endet mit dem sehnsüchtigen Ausruf "Ach, daß ich geboren bin!", der die tiefe Melancholie und das Verlangen nach einem anderen, beständigeren Dasein zum Ausdruck bringt.

Schlüsselwörter

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Stilmittel

Alliteration
Baum und Strauch beim muntern Schall
Anapher
Waldnacht! Jagdlust! Leis' und ferner Klingen Hörner, Hebt sich, jauchzt die freie Brust!
Epipher
Waldnacht! Jagdlust! Daß die Liebe Bei uns bliebe, Wohnen blieb' in treuer Brust!
Hyperbel
Wandelt hier, dann ist es dort
Kontrast
Liebe, Leben, sie eilen hin, Keins von beiden trägt Gewinn
Metapher
Fliehet, flieht das Leben so fort
Personifikation
Epheuranken Dich umschwanken, Rieseln durch die Klüfte schnell