Waldeszauber
1819Und schreit ich in den Wald hinaus, Da grüßen mich die Bäume. Du liebes, freies Gotteshaus, Du schließest mich mit Sturmgebraus In deine kühlen Bäume.
Da sink ich an das laute Herz Der Einsamkeit des Waldes — Das größte Leid wird süßer Schmerz, Auf Liederschwingen himmelwärts Verklingt es und verhallt es.
Geheimes Flüstern hier und dort. Verborgnes Quellenrauschen — O Wald, o Wald, geweihter Ort, Laß mich der Liebe reinstes Port An deiner Brust belauschen!
Was leise mich umschwebt, umklingt,— Ich will es treu bewahren, Und was in Klarheit mich durchdringt, Will ich, vom Geift der sich beschwingt, In Liedern offenbaren!
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Interpretation
Das Gedicht "Waldeszauber" von Hermann Rollett beschreibt die tiefe emotionale und spirituelle Verbindung des lyrischen Ichs zum Wald. Der Wald wird als ein heiliger, von Gott geschaffener Ort dargestellt, der Schutz und Geborgenheit bietet. Die Bäume grüßen den Sprecher, und der Sturmgebrauch schließt ihn in die "kühlen Bäume" ein, was eine Verschmelzung mit der Natur symbolisiert. Die Einsamkeit des Waldes wird als "lautes Herz" beschrieben, was die Lebendigkeit und Kraft des Waldes betont. Das größte Leid verwandelt sich in "süßen Schmerz", der durch die Natur erhöht und gelindert wird. Im zweiten Teil des Gedichts wird der Wald als mystischer und geheimer Ort dargestellt. Das "geheime Flüstern" und das "verborgene Quellenrauschen" unterstreichen die magische Atmosphäre. Der Sprecher bittet den Wald, ihm zu ermöglichen, die "reinste Port" der Liebe an seiner Brust zu belauschen. Dies deutet auf eine Sehnsucht nach tiefem Verständnis und innerer Einkehr hin, die nur in der Stille und Abgeschiedenheit der Natur gefunden werden kann. Im letzten Teil des Gedichts drückt das lyrische Ich den Wunsch aus, die Eindrücke und Gefühle, die es im Wald erfährt, zu bewahren und in Liedern zu offenbaren. Die "leise" und "klare" Erfahrungen werden als kostbar und erhebend beschrieben, und der Sprecher fühlt sich vom Geist der Natur inspiriert, diese Erlebnisse in poetischer Form festzuhalten. Das Gedicht endet mit der Absicht, die Schönheit und Magie des Waldes durch die Kunst zu teilen und zu bewahren.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Metapher
- In Liedern offenbaren
- Personifikation
- Geheimes Flüstern hier und dort