Waldesruh

Peter Hille

1916

Siehe, da ruhet Das Und ist alles. Saft träumt. Prinzeßlein spielt Und weiß von keinem Schloß, Von Morgen nicht und Abend. Männlein schlagen Purzelbaum, Drollig vergrämte Purzelbäume schlagen sie Über braunweitgreifende Wurzeln. Und essen Wurzeln, Trinken Quell, Und schlafen zwischen Wurzeln in Nischen. Listig behutsam, tappen beschleichende Finger Lichtlang die schlanken grauen Stämme, Die Zweige spannen.

Was war das? Ein Dunkles? Nur ein Gedanke. Wie gar heiter ruht das Blau Wie das was ist.

Verwunderte Gegend lieblicher Ode, Bangen, Wohliges Drängen, Frühes Fleisch Duftiges Erliegen. Graue zottige Bärte fahren Über zerrieseltes Leuchten, Stöhnende Wonne des Wachseins Ein rauschendes Duften: All das perlende Moos.

Vier Schwingen tauschen In blauen Bahnen Ein rüstiger Anruf Beieinander, Fort sind beide - Da - Dort!

Pfade spielen, Warnender Pfiff, Springende Bogen, Ein Strom von Hirschen Raschelt tiefer hinab. Ein spähender Pfeil, Trifft sie das schauende Licht Meines heiligen Auges.

Herbsthoher Dom Hohe Weihrauchscheine, Leuchtende Geister Schwingen leicht Hin die prallen, blauen Strahlen. Eine graue Leiche Halten sie hochgebahrt Und singen Requiem…

Heiter ruhet, Heiter ruhet das Blau, Wie was ist, Taten schlummern Immer.

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Illustration zu Waldesruh

Interpretation

Das Gedicht "Waldesruh" von Peter Hille zeichnet ein idyllisches und zugleich mystisches Bild des Waldes. Es beginnt mit einer ruhigen und friedlichen Szenerie, in der alles ruht und das Saftträumen eine traumhafte Atmosphäre schafft. Die Prinzessin spielt sorglos, ohne von der Außenwelt zu wissen, was die Unschuld und das Einfache des Waldes betont. Die Männer, die Purzelbäume schlagen und Wurzeln essen, vermitteln ein Gefühl von kindlicher Freude und Verbundenheit mit der Natur. In der zweiten Strophe wird die Harmonie des Waldes durch ein dunkles Element gestört, das jedoch nur ein flüchtiger Gedanke zu sein scheint. Das Blau, das heiter ruht, symbolisiert die Gelassenheit und das Wesen des Waldes. Die verwunderte Gegend und die duftige Ruhe vermitteln ein Gefühl von Geborgenheit und Verzauberung. Die grauen Bärte, die über das zerrieselte Leuchten fahren, könnten als Metapher für die Zeit oder das Alter stehen, die über die vergängliche Schönheit des Waldes hinwegziehen. Die dritte Strophe führt eine lebendige Dynamik ein, mit vier Schwingen, die in blauen Bahnen einander begegnen und dann fort sind. Dies könnte die flüchtige Natur des Lebens und der Momente im Wald symbolisieren. Die Pfade, die spielen, und der warnende Pfiff deuten auf die Geheimnisse und die verborgene Aktivität im Wald hin. Der Strom von Hirschen und der Pfeil, der sie trifft, könnten die Jagd oder den Kreislauf von Leben und Tod im Wald darstellen. Die letzte Strophe erinnert an einen herbstlichen Dom, in dem leuchtende Geister leichte Weihrauchscheine schwingen und eine graue Leiche hochgebahren halten, während sie ein Requiem singen. Dies könnte die Vergänglichkeit des Lebens und die Zeremonie des Todes im Wald symbolisieren. Das Gedicht endet mit der Wiederholung der heiteren Ruhe des Blaus, was die ewige und unveränderliche Natur des Waldes unterstreicht, in der Taten schlummern und die Zeit stillzustehen scheint.

Schlüsselwörter

ruhet wurzeln heiter schlagen blau graue schwingen blauen

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Stilmittel

Bildsprache
immer
Metapher
Leuchtende Geister
Personifikation
Saft träumt