Waldesnacht
1830Waldesnacht, du wunderkühle, die ich tausend Male Grüß; nach dem lauten Weltgewühle, O, wie ist dein Raschen süß, Träumerisch die Müden Glieder berg ich weich ins Moos, und mir ist als würd ich wieder all der irren Qualen los.
Fernes Flötenlied vertöne, das ein weites Sehnen rührt, die Gedanken in die Schöne, ach mißgönnte Ferne führt. Laß die Waldesnacht mich wiegen, stillen jede Pein, und ein seeliges Genügen saug ich mit den Düften ein
In den heimlich engen Kreisen wird dir wohl, du wildes Herz, und ein Friede schwebt mit leisen Flügelschlägen niederwärts. Singet holde Vogellieder, mich in Schlummer sacht! Irre Qualen Löst euch wieder, wildes Herz nun gute Nacht!
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Interpretation
Das Gedicht "Waldesnacht" von Paul Heyse beschreibt die wohltuende Wirkung einer Waldnacht auf den lyrischen Ich. Der Sprecher erlebt die Waldnacht als Zufluchtsort und Heilmittel gegen die Strapazen des Alltags. Die Ruhe und Stille des Waldes wirken wie Balsam auf seine müden Glieder und lassen ihn die "irren Qualen" des Lebens vergessen. Die Natur, repräsentiert durch den Wald und seine Bewohner, wird als Ort der Geborgenheit und des Trostes dargestellt. Heyse verwendet verschiedene Naturbilder, um die beruhigende Wirkung der Waldnacht zu verdeutlichen. Das Rauschen des Waldes wird als süß empfunden, das Flötenlied weckt eine weite Sehnsucht und die Düfte werden wiegen und trösten. Die Vögel mit ihren "holden Liedern" begleiten das lyrische Ich sanft in den Schlaf. Die Natur wird als lebendiger, tröstender und heilender Organismus dargestellt, der das gestresste Gemüt wieder ins Gleichgewicht bringt. Im letzten Abschnitt des Gedichts findet das lyrische Ich in der Waldesnacht einen tiefen inneren Frieden. Das "wilde Herz" wird ruhig und friedlich, die "irre Qualen" lösen sich auf. Die Waldesnacht wird als Ort der Heilung und des inneren Gleichgewichts beschrieben, an dem man zur Ruhe kommen und neue Kraft schöpfen kann. Das Gedicht endet mit dem Ausruf "Gute Nacht!", der sowohl die nächtliche Szenerie als auch die innere Beruhigung des lyrischen Ichs unterstreicht.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Anapher
- Waldesnacht, du wunderkühle
- Hyperbel
- die ich tausend Male Grüß
- Metapher
- und ein Friede schwebt mit leisen Flügelschlägen niederwärts
- Personifikation
- Irre Qualen Löst euch wieder