Waldesmorgen

Hermann Rollett

1904

Im dunklen Tannenwalde Da wogt ein See im Gestein, Da ftüstern die schattigen Zweige Wie Märchen zur Flut hinein.

Des Morgens helles Gefunkel Ergießt sich ins grüne Thal, Des Waldes Schattendunkel Erdämmert im Sonnenstral.

Da heben sich leise die Wellen Und Heilen sich klingend empor, Und heben mit kosenden Armen Lachende Nixlein hervor.

Und heben sie ans Ufer Mit ihrer Glieder Schnee, Mit ihren grünen Haaren — Und jubelnd erbraust der See.

Und sie tanzen am grünen Ufer Und küssen die Blümlein all, Eh noch die Zweige durchglühet Des Tages flammender Stral.

Und hüpfen mit süßem Lächeln In die wogende Flut hinein, Und die Wollen und die Blumen Erglühen im Morgenschein.

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Illustration zu Waldesmorgen

Interpretation

Das Gedicht *Waldesmorgen* von Hermann Rollett beschreibt eine geheimnisvolle und märchenhafte Szene in einem dunklen Tannenwald am Morgen. Die Natur wird als lebendig und fast übernatürlich dargestellt, wobei ein See im Gestein wogt und die schattigen Zweige wie Märchen zur Flut flüstern. Die Morgensonne ergießt sich ins grüne Tal, während das Schattendunkel des Waldes im Sonnenstrahl erlischt. Diese Bilder erzeugen eine Atmosphäre des Erwachens und der Verzauberung. Die Wellen des Sees heben sich leise und heilen sich klingend empor, wobei lachende Nixlein mit kosenden Armen ans Ufer gehoben werden. Die Nixlein werden mit schneeweißen Gliedern und grünen Haaren beschrieben, was ihre Verbindung zur Natur und zum Wasser betont. Der See jubelt, als die Nixlein ans Ufer gelangen, und sie tanzen am grünen Ufer, küssen die Blümlein und erfüllen die Szene mit Leben und Freude. Dieser Tanz symbolisiert die Harmonie zwischen den übernatürlichen Wesen und der natürlichen Umgebung. Schließlich hüpfen die Nixlein mit süßem Lächeln zurück in die wogende Flut, während Wogen und Blumen im Morgenschein erstrahlen. Die letzte Strophe fasst die flüchtige Schönheit des Morgens zusammen, bevor der Tag mit seiner vollen Kraft anbricht. Das Gedicht vermittelt eine Stimmung von Vergänglichkeit und Magie, in der die Natur und ihre mythischen Bewohner in einem ewigen Zyklus des Erwachens und Zurückkehrens vereint sind.

Schlüsselwörter

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Wortwolke

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Stilmittel

Alliteration
Des Morgens helles Gefunkel
Bildsprache
Und die Wollen und die Blumen Erglühen im Morgenschein
Metapher
Des Tages flammender Stral
Onomatopoesie
erbraust der See
Personifikation
Und hüpfen mit süßem Lächeln