Waldeinsamkeit

Hermann Ludwig Allmers

1821

O zaubergrüne Waldeseinsamkeit, Wo alte, dunkle Fichten stehn und träumen, Wo klare Bächlein über Kiesel schäumen In tief geheimer Abgeschiedenheit.

Nur Herdenglockenlaut von Zeit zu Zeit, Und leises Säuseln oben in den Bäumen, Dann wieder Schweigen wie in Tempelräumen, O zaubergrüne Waldeseinsamkeit! -

Hier sinkt des Erdendaseins enge Schranke, Es fühlt das Herz sich göttlicher und reiner, Als könnt es tiefer schauen und verstehen.

Da löst sich manch unsterblicher Gedanke; Woher das kommt, das ahnet selten einer, - Es ist des Weltengeistes nahes Wehen.

Anhören

Das Gedicht als Bild, zum Downloaden und Teilen

Illustration zu Waldeinsamkeit

Interpretation

Das Gedicht "Waldeinsamkeit" von Hermann Ludwig Allmers beschreibt die tiefe spirituelle Erfahrung, die der Dichter in der Einsamkeit des Waldes erfährt. Die Natur wird als ein Ort der Ruhe und des Friedens dargestellt, an dem man dem Alltag entfliehen und zur inneren Einkehr finden kann. Der Wald wird als ein heiliger Ort beschrieben, an dem man dem Göttlichen näher kommt. Die Bilder von dunklen Fichten, klaren Bächen und dem leisen Säuseln der Blätter evozieren eine Atmosphäre der Stille und Abgeschiedenheit. Der Dichter fühlt sich von der Enge des irdischen Daseins befreit und sein Herz wird "göttlicher und reiner". Im letzten Vers heißt es, dass der Dichter von "unsterblichen Gedanken" ergriffen wird und das Nahesein des "Weltengeistes" spürt. Dies deutet auf eine mystische Erfahrung hin, bei der der Dichter eine höhere Wahrheit oder ein tieferes Verständnis des Lebens erfährt. Die Waldeseinsamkeit wird somit zu einem Ort der spirituellen Erleuchtung und der Verbindung mit dem Göttlichen.

Schlüsselwörter

zaubergrüne waldeseinsamkeit zeit alte dunkle fichten stehn träumen

Wortwolke

Wortwolke zu Waldeinsamkeit

Stilmittel

Alliteration
O zaubergrüne Waldeseinsamkeit, Wo alte, dunkle Fichten stehn und träumen, Wo klare Bächlein über Kiesel schäumen
Anapher
O zaubergrüne Waldeseinsamkeit
Bildlichkeit
Wo klare Bächlein über Kiesel schäumen In tief geheimer Abgeschiedenheit
Kontrast
Hier sinkt des Erdendaseins enge Schranke, Es fühlt das Herz sich göttlicher und reiner
Metapher
Es ist des Weltengeistes nahes Wehen
Personifikation
Wo alte, dunkle Fichten stehn und träumen