Wald

Maria Luise Weissmann

1899

Die Toten meiner Jahrtausende Sind auferstanden. Meiner Väter Blick Ging über mich, es wandelte Leicht die Nähe der Erwachenden.

Im Abend aber entschliefen sie Plötzlich; aus ihren Augenhöhlen Brachen Blumen, ihres Atems Stille griff Nach meinem Herzen, eine blaue Hand.

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Illustration zu Wald

Interpretation

Das Gedicht "Wald" von Maria Luise Weissmann handelt von der Begegnung mit den Toten der eigenen Jahrtausende. Die Sprecherin fühlt sich von ihren Vorfahren beobachtet und durchwandert, was eine unheimliche, aber auch faszinierende Nähe schafft. Die Toten scheinen zu erwachen und präsent zu sein, als könnten sie die Sprecherin sehen und beeinflussen. Im zweiten Teil des Gedichts kommt es zu einer plötzlichen Wendung. Die Toten entschlafen wieder, als ob sie nur für einen kurzen Moment aus dem Reich des Todes zurückgekehrt wären. Ihre Augen, die zuvor gesehen haben, brechen nun auf wie Blumen auf, was einen Wechsel von Sehen zu Wachsen und Blühen symbolisiert. Der Atem der Toten wird zur Stille, die nach dem Herzen der Sprecherin greift wie eine blaue Hand. Diese blaue Hand steht für die Kälte und Ferne des Todes, aber auch für die tiefe Verbundenheit zwischen den Generationen. Insgesamt vermittelt das Gedicht eine ambivalente Stimmung zwischen Anziehung und Abschreckung, zwischen Lebendigkeit und Sterblichkeit. Die Sprecherin fühlt sich von ihren Vorfahren berührt und beeinflusst, aber auch an ihre eigene Endlichkeit erinnert. Das Gedicht thematisiert die Auseinandersetzung mit der eigenen Herkunft und der Vergänglichkeit des Lebens.

Schlüsselwörter

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Stilmittel

Metapher
eine blaue Hand
Personifikation
Meiner Väter Blick / Ging über mich
Symbolik
aus ihren Augenhöhlen / Brachen Blumen