Wahrhaftigkeit

Luise Büchner

1862

Dies war mir oft ein Trost im Leben, Ein Glück, das Keiner rauben wird - Daß sich noch niemals eine Seele In meinem Wesen hat geirrt.

Verrathen manchmal, oft betrogen, Kenn′ ich es tief, dies bitt′re Leid, Doch daß ich niemals selbst gelogen, Bleibt Balsam mir für alle Zeit! -

Ich gleiche nicht der Sonne Schimmer, Bin nicht so reich an Glanz und Licht, Ein Sternlein nur, deß schwacher Flimmer, Ein kleines, enges Rund umflicht.

Doch, wie die Stolze mitteninnen Glänzt wandellos am Himmelszelt, So steh′ ich fest in meinem Sinnen, Und ohne Trug kennt mich die Welt.

Und wer mit liebendem Vertrauen Zu mir, dem kleinen Sterne, blickt, Der darf in gläub′ger Ruhe schauen, Denn er bleibt fest und unverrückt.

Getreu und wahr zu allen Stunden, Verwirrt und blendet nie sein Licht - Der Täuschung Qual hab′ ich empfunden, Allein ich täuschte And′re nicht!

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Illustration zu Wahrhaftigkeit

Interpretation

Das Gedicht "Wahrhaftigkeit" von Luise Büchner handelt von der Bedeutung von Ehrlichkeit und Aufrichtigkeit im Leben. Die Autorin betont, dass sie stolz darauf ist, niemals jemanden getäuscht oder belogen zu haben, und dass dies ihr ein großes Glück und Trost im Leben bereitet. Die Autorin vergleicht sich selbst mit einem kleinen Stern, der zwar nicht so strahlend und glänzend wie die Sonne ist, aber dennoch standhaft und zuverlässig bleibt. Sie betont, dass sie sich selbst treu geblieben ist und dass die Welt sie ohne Täuschung kennt. Die Autorin ermutigt auch andere, auf sie zu vertrauen und in ihr einen treuen und ehrlichen Menschen zu sehen. Das Gedicht vermittelt eine positive Botschaft über die Bedeutung von Wahrhaftigkeit und Ehrlichkeit im Leben. Die Autorin betont, dass es zwar schmerzhaft sein kann, betrogen oder verraten zu werden, aber dass es noch schlimmer ist, selbst unehrlich zu sein. Sie ermutigt den Leser, sich selbst treu zu bleiben und aufrichtig zu sein, da dies zu einem erfüllteren und glücklicheren Leben führen kann.

Schlüsselwörter

oft niemals bleibt licht fest trost leben glück

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Stilmittel

Bildsprache
Wie die Stolze mitteninnen Glänzt wandellos am Himmelszelt
Hyperbel
Ein Glück, das Keiner rauben wird
Kontrast
Verrathen manchmal, oft betrogen, Kenn′ ich es tief, dies bitt′re Leid, Doch daß ich niemals selbst gelogen
Metapher
Ich gleiche nicht der Sonne Schimmer, Bin nicht so reich an Glanz und Licht, Ein Sternlein nur, deß schwacher Flimmer, Ein kleines, enges Rund umflicht.
Parallelismus
Getreu und wahr zu allen Stunden
Personifikation
Daß sich noch niemals eine Seele In meinem Wesen hat geirrt
Symbolik
Der Täuschung Qual hab′ ich empfunden, Allein ich täuschte And′re nicht!
Vergleich
Ich gleiche nicht der Sonne Schimmer