Wahnsinn
1800Bittre Schmerzen reißen wild. Herz sei mild! Denn du magst es doch nicht sagen; Nimmer half ja noch dein Klagen, Seit zerbrochen dir dein Bild. Tod wär’ Freude, Nähme nur die Erd’ uns beide! Kühlung saugen Möchten gern die trocknen Augen, Brennen heißer stets im Leide.
Laute, diesen Mißlaut sprich, Und dann brich, Eh’ ich ganz in Haß versunken, Wahnsinn rede todestrunken, Weil die Einz’ge von mir wich. Gebt mir Blut, Daß ich lindre diese Glut, Und wer’s tat, Ewig schmacht’ er ohne Rat, Oder sink’ in gleiche Flut.
Anhören
Das Gedicht als Bild, zum Downloaden und Teilen

Interpretation
Das Gedicht "Wahnsinn" von Friedrich Schlegel beschreibt die Qualen unerfüllter Liebe und die Verzweiflung des lyrischen Ichs, das von seiner Geliebten verlassen wurde. Die ersten Strophen zeigen den inneren Kampf zwischen Schmerz und dem Versuch, diesen zu unterdrücken. Das Herz wird aufgefordert, "mild" zu sein, da Klagen und Ausdruck des Schmerzes in der Vergangenheit keine Linderung gebracht haben. Das zerbrochene Bild symbolisiert das Ende der Beziehung und den Verlust der geliebten Person. Die zweite Strophe verdeutlicht die Intensität des Leidens, das sich in brennenden, trockenen Augen manifestiert. Der Wunsch nach "Kühlung" steht im Kontrast zur unerträglichen Hitze des Schmerzes. Der Gedanke an den Tod als mögliche Erleichterung wird angedeutet, wobei die Vorstellung, gemeinsam mit der Geliebten in der Erde zu liegen, als tröstlich empfunden wird. In der dritten Strophe erreicht das Gedicht seinen Höhepunkt der Verzweiflung. Das lyrische Ich fordert die Geliebte auf, den "Mißlaut" auszusprechen, also die Wahrheit über das Ende der Beziehung zu sagen. Sollte dies nicht geschehen, droht der Sprecher, in Hass und Wahnsinn zu verfallen. Der abschließende Hilferuf nach Blut, um die "Glut" zu lindern, verdeutlicht die Selbstzerstörungstendenz und den Wunsch, dass derjenige, der das Blut gibt, ebenfalls leidet oder dem gleichen Schicksal erliegt.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Alliteration
- Bittre Schmerzen
- Hyperbel
- Brennen heißer stets im Leide
- Kontrast
- Tod wär' Freude
- Metapher
- Wahnsinn rede todestrunken
- Metonymie
- Gebt mir Blut
- Parallelismus
- Ewig schmacht' er ohne Rat, Oder sink' in gleiche Flut
- Personifikation
- Herz sei mild
- Wiederholung
- Und dann brich