Wahl
1788Der Tanz, der ist zerstoben, Die Musik ist verhallt, Nun kreisen Sterne droben, Zum Reigen singt der Wald.
Sind alle fortgezogen, Wie ists nun leer und tot! Du rufst vom Fensterbogen: “Wann kommt das Morgenrot!”
Mein Herz möcht mir zerspringen, Darum so wein ich nicht. Darum so muß ich singen, Bis daß der Tag anbricht.
Eh es beginnt zu tagen: Der Strom geht still und breit, Die Nachtigallen schlagen, Mein Herz wird mir so weit!
Du trägst so rote Rosen, Du schaust so freudenreich, Du kannst so fröhlich kosen, Was stehst du still und bleich?
Und laß sie gehn und treiben Und wieder nüchtern sein, Ich will wohl bei dir bleiben! Ich will dein Liebster sein!
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Interpretation
Das Gedicht "Wahl" von Joseph von Eichendorff beschreibt die emotionale Reise eines lyrischen Ichs nach einem Tanzabend. Die erste Strophe setzt eine melancholische Stimmung, indem sie den Verfall des Tanzes und der Musik beschreibt. Die Nacht ist angebrochen, und die Sterne tanzen über dem Wald, der nun als einziger "singt". Dies symbolisiert die Einsamkeit und das Verlassenwerden des lyrischen Ichs. In der zweiten Strophe drückt das lyrische Ich seine Sehnsucht nach dem Morgen aus, der als Metapher für Hoffnung und Neuanfang steht. Das Herz des lyrischen Ichs möchte zerspringen, aber anstatt zu weinen, entscheidet es sich zu singen, bis der Tag anbricht. Dies zeigt die innere Zerrissenheit und die Entscheidung, trotz des Schmerzes optimistisch zu bleiben. Die dritte Strophe beschreibt den Moment vor dem Morgengrauen. Der Strom fließt still und breit, die Nachtigallen singen, und das Herz des lyrischen Ichs wird weit. Dies symbolisiert die Ruhe vor dem Sturm und die Vorfreude auf den neuen Tag. Die vierte Strophe beschreibt die Begegnung mit einer Frau, die rote Rosen trägt und freudestrahlend aussieht. Doch plötzlich steht sie still und bleich da, was auf eine Veränderung ihrer Gefühle oder eine unerwartete Nachricht hindeuten könnte. Die letzte Strophe zeigt die Entscheidung des lyrischen Ichs, bei der Frau zu bleiben und ihr Liebster zu sein, trotz der Ungewissheit und der möglichen Enttäuschung. Dies symbolisiert die Wahl der Liebe und der Hoffnung über die Angst und die Einsamkeit.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Alliteration
- Darum so muß ich singen
- Bildlichkeit
- Der Strom geht still und breit
- Kontrast
- Du kannst so fröhlich kosen, Was stehst du still und bleich?
- Metapher
- Mein Herz möcht mir zerspringen
- Personifikation
- Zum Reigen singt der Wald
- Wiederholung
- Ich will wohl bei dir bleiben! Ich will dein Liebster sein!