Wär ich berühmt
1942Wär ich berühmt, der Liebe würd ich rüsten Ein Meer der Feste, mich den Gluten betten, Wie Möwen ruhen mit den weißen Brüsten, Wenn sich der Brandung hohe Wogen glätten.
Wie Götter von dem Weihrauch trunken sind, Und roter Wein von ihrem Kranze taut, Aus meinem Atem strömte heiß der Wind Wie Flammen tönend, Liebe jeder Laut.
Die Himmel wohnten in der Liebe Schweigen, Wenn ihre Fackeln von dem Harze rauschen. Und wir zum zarten Tone ferner Geigen Das starke Gift der stolzen Küsse tauschen.
Dem Ozean der Träume hingegeben, Den sonngen Inseln der Zwei-Einsamkeit, Wo große Schwäne uns zu Häupten schweben, Sirenen, singend alter Liebe Leid.
- Wär ich berühmt - Nun hocke ich beim Licht Der trüben Lampe. Und des Morgens Schein Zeigt mir der Krankenschwester grau Gesicht, Die hinschlürft über feuchten Pflasters Stein.
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Interpretation
Das Gedicht "Wär ich berühmt" von Georg Heym beschreibt die Sehnsucht des lyrischen Ichs nach Ruhm und die damit verbundenen Ausschweifungen. In der Einleitung malt der Dichter ein Bild von opulenten Festen und der körperlichen Hingabe an die Liebe, wobei er sich selbst als Mittelpunkt eines Meer von Feiern sieht, ähnlich wie Möwen auf den Wellen ruhen. Im zweiten Abschnitt steigert sich die Vorstellung ins Mythologische. Das lyrische Ich imaginiert sich als göttliche Figur, umgeben von Weihrauch und Wein, wobei seine Worte und sein Atem wie Flammen und Wind wirken. Die Liebe wird hier als allgegenwärtig und mächtig dargestellt, die selbst die Himmel in ihren Bann zieht. Der dritte Abschnitt beschreibt eine Szene der Zweisamkeit und Intimität, in der das lyrische Ich und sein Partner in einem Ozean der Träume versinken. Die Umgebung ist idyllisch und romantisch, mit schwebenden Schwänen und singenden Sirenen, die das Leid der alten Liebe besingen. Diese Passage kontrastiert stark mit der Realität des letzten Abschnitts. Im Schlussabschnitt wird die Diskrepanz zwischen den Träumen und der Realität deutlich. Das lyrische Ich sitzt bei trübem Licht und wird von einer Krankenschwester geweckt, die über feuchte Pflastersteine schlurft. Die graue, triste Realität steht im krassen Gegensatz zu den lebendigen und farbenfrohen Bildern der vorherigen Strophen und unterstreicht die unerfüllte Sehnsucht nach Ruhm und die Enttäuschung über das eigene Leben.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Kontrast
- Und des Morgens Schein Zeigt mir der Krankenschwester grau Gesicht
- Metapher
- Sirenen, singend alter Liebe Leid
- Personifikation
- Wenn sich der Brandung hohe Wogen glätten
- Vergleich
- Wie Möwen ruhen mit den weißen Brüsten