Vorübergehn
1915Das Haus flackt in den Sternen Mein Schritt verhält und friert. In deinem Schoße schläft mein Hirn. Mich fressen Zweifel! Voll Schattet deine Büste in dem Fenster Das Spähen hüllt mich lautlos Die Sterne streifeln glühes Eisen Mein Herz Zerkohlt! An deinem Fenster Eist Ein Windhauch Asche. Die Füße tragen weiter leere Last!
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Interpretation
Das Gedicht "Vorübergehn" von August Stramm ist ein expressionistisches Werk, das die innere Zerrissenheit und die Suche nach Halt in einer ungewissen Welt zum Ausdruck bringt. Der Sprecher durchquert eine nächtliche Landschaft, in der das Haus in den Sternen flackert und sein Schritt erstarren lässt. Die Unsicherheit und das Zweifeln werden durch die Zeilen "Mich fressen Zweifel!" deutlich, während das Gehirn in der Nähe einer geliebten Person zur Ruhe kommt. Die Büste der Geliebten wirft einen Schatten auf das Fenster, und das Spähen des Sprechers wird von den Sternen umhüllt, die wie glühendes Eisen erscheinen. Die zweite Strophe intensiviert die emotionale Verwirrung und das Gefühl der Isolation. Das Herz des Sprechers wird als "zerkohlt" beschrieben, was auf eine tiefe Verletzung oder einen Verlust hindeutet. Ein Windhauch trägt Asche zu dem Fenster der Geliebten, was die Vergänglichkeit und die Zerstörung symbolisieren könnte. Die Füße tragen den Sprecher weiter, aber die Last, die sie tragen, ist leer, was auf einen Mangel an Sinn oder Zweck in seinem Leben hindeutet. Insgesamt vermittelt das Gedicht ein Gefühl von Einsamkeit, Verzweiflung und der Suche nach Halt in einer chaotischen und ungewissen Welt. Die Verwendung von ungewöhnlichen Wortkombinationen und der fragmentarische Stil tragen zur expressionistischen Atmosphäre bei und lassen den Leser in die innere Welt des Sprechers eintauchen.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Hyperbel
- Mich fressen Zweifel!
- Metapher
- Die Füße tragen weiter leere Last
- Personifikation
- Das Spähen hüllt mich lautlos