Vorstadt im Föhn
1887Am Abend liegt die Stätte öd und braun, Die Luft von gräulichem Gestank durchzogen. Das Donnern eines Zugs vom Brückenbogen – Und Spatzen flattern über Busch und Zaun.
Geduckte Hütten, Pfade wirr verstreut, In Gärten Durcheinander und Bewegung, Bisweilen schwillt Geheul aus dumpfer Regung, In einer Kinderschar fliegt rot ein Kleid.
Am Kehricht pfeift verliebt ein Rattenchor. In Körben tragen Frauen Eingeweide, Ein ekelhafter Zug voll Schmutz und Räude, Kommen sie aus der Dämmerung hervor.
Und ein Kanal speit plötzlich feistes Blut Vom Schlachthaus in den stillen Fluß hinunter. Die Föhne färben karge Stauden bunter, Und langsam kriecht die Röte durch die Flut.
Ein Flüstern, das in trübem Schlaf ertrinkt. Gebilde gaukeln auf aus Wassergräben, Vielleicht Erinnerung an ein früheres Leben, Die mit den warmen Winden steigt und sinkt.
Aus Wolken tauchen schimmernde Alleen, Erfüllt von schönen Wägen, kühnen Reitern. Dann sieht man auch ein Schiff auf Klippen scheitern Und manchmal rosenfarbene Moscheen.
Das Gedicht als Bild, zum Downloaden und Teilen

Interpretation
Das Gedicht "Vorstadt im Föhn" von Georg Trakl beschreibt eine triste und düstere Vorstadtszene, die von einer schweren, ungesunden Atmosphäre durchdrungen ist. Die Landschaft wird als öde und braun dargestellt, mit einem Gestank, der die Luft durchzieht. Die Umgebung ist chaotisch und ungeordnet, mit verstreuten Hütten und Gärten, in denen Durcheinander herrscht. Ein Kind in einem roten Kleid fliegt durch eine Kinderschar, was einen Hauch von Farbe in die Tristesse bringt. Die Szene wird durch unangenehme Details weiter verstärkt, wie der Rattenchor, der am Kehricht pfeift, und Frauen, die Eingeweide in Körben tragen. Diese Bilder erzeugen ein Gefühl von Schmutz und Verfall. Der Kanal, der blutiges Wasser aus dem Schlachthaus in den Fluss spuckt, verstärkt die düstere Stimmung. Die Föhne färben die kargen Stauden bunter, was auf eine oberflächliche Schönheit hindeutet, die den eigentlichen Zustand der Verwahrlosung nicht verbergen kann. In der Dämmerung tauchen geisterhafte Bilder auf, die an ein früheres Leben erinnern. Diese Erinnerungen steigen und sinken mit den warmen Winden und verleihen der Szene eine traumhafte Qualität. Schließlich erscheinen in den Wolken schimmernde Alleen, schöne Wagen, kühne Reiter und ein Schiff, das auf Klippen scheitert. Diese Bilder wechseln mit rosenfarbenen Moscheen und erzeugen eine surreale Atmosphäre, die den Übergang zwischen Realität und Traum darstellt.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Alliteration
- Spatzen flattern über Busch und Zaun
- Bildsprache
- Und manchmal rosenfarbene Moscheen
- Kontrast
- Geduckte Hütten, Pfade wirr verstreut
- Metapher
- Erfüllt von schönen Wägen, kühnen Reitern
- Onomatopoesie
- Geheul aus dumpfer Regung
- Personifikation
- Ein Flüstern, das in trübem Schlaf ertrinkt
- Symbolik
- In einer Kinderschar fliegt rot ein Kleid