Vormittag
1906Den grünen Rasen sprengt ein guter Mann. Der zeigt den Kindern seinen Regenbogen, Der in dem Strahle auftaucht dann und wann. Und die Elektrische ist fortgezogen
Und rollt ganz ferne. Und die Sonne knallt Herunter auf den singenden Asphalt. Du gehst im Schatten, ernsthaft, für und für. Die Lindenbäume sind sehr gut zu dir.
Im Schatten setzt du dich auf eine Bank; Die ist schon morsch; - auch du bist etwas krank - Du tastest heiter, daß ihr nicht ein Bein birst.
Und fühlst auf deinem Herzen deine Uhr, Und träumst von einer schimmernden Figur Und dieses auch: daß du einst nicht mehr sein wirst.
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Interpretation
Das Gedicht "Vormittag" von Ernst Blass beschreibt eine Szene am Vormittag, die sowohl idyllisch als auch melancholisch ist. Ein guter Mann besprüht den grünen Rasen und zeigt den Kindern einen Regenbogen, der im Sprühnebel entsteht. Die Elektrische, vermutlich eine Straßenbahn, ist vorbeigefahren und rollt in der Ferne. Die Sonne scheint auf den Asphalt, während der Betrachter im Schatten geht, ernsthaft und immer wieder. Die Lindenbäume sind dem Betrachter wohlgesonnen. Im Schatten setzt sich der Betrachter auf eine morsche Bank, die ebenso wie er selbst etwas krank ist. Er tastet heiter, um sicherzugehen, dass die Bank nicht zusammenbricht. Er fühlt die Uhr auf seinem Herzen und träumt von einer schimmernden Figur sowie von der Tatsache, dass er eines Tages nicht mehr sein wird. Das Gedicht vermittelt eine Stimmung der Vergänglichkeit und der Auseinandersetzung mit der eigenen Sterblichkeit.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Bildlichkeit
- Und träumst von einer schimmernden Figur
- Ironie
- Und fühlst auf deinem Herzen deine Uhr
- Metapher
- Der zeigt den Kindern seinen Regenbogen
- Personifikation
- Die Sonne knallt herunter
- Symbolik
- Die Lindenbäume sind sehr gut zu dir
- Vergleich
- Die ist schon morsch; - auch du bist etwas krank