Vorgefühl
1875Ich bin wie eine Fahne von Fernen umgeben. Ich ahne die Winde, die kommen, und muss sie leben, während die Dinge unten sich noch nicht rühren: die Türen schließen noch sanft, und in den Kaminen ist Stille; die Fenster zittern noch nicht, und der Staub ist noch schwer.
Da weiß ich die Stürme schon und bin erregt wie das Meer. Und breite mich aus und falle in mich hinein und werfe mich ab und bin ganz allein in dem großen Sturm.
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Interpretation
Das Gedicht "Vorgefühl" von Rainer Maria Rilke beschreibt die innere Zerrissenheit und das Empfinden eines Menschen, der wie eine Fahne im Winde ist. Die Fahne steht als Metapher für die Seele oder den Geist, der von äußeren Einflüssen umgeben ist. Der Dichter ahnt die kommenden Winde und muss sie leben, obwohl die Dinge um ihn herum noch ruhig und still sind. Die Türen schließen sanft, in den Kaminen ist Stille, die Fenster zittern noch nicht, und der Staub ist noch schwer. Doch der Dichter weiß bereits die Stürme, die kommen werden, und ist erregt wie das Meer. Die Metapher des Meeres verdeutlicht die Intensität der Emotionen, die der Dichter empfindet. Er breitet sich aus und fällt in sich hinein, wirft sich ab und ist ganz allein in dem großen Sturm. Dies könnte als eine Art von Selbstreflexion und innerer Einkehr interpretiert werden, in der der Dichter sich von äußeren Einflüssen löst und sich auf sich selbst konzentriert. Die Einsamkeit und die Intensität der Emotionen werden durch die Bilder des Sturms und des Meeres verstärkt. Das Gedicht kann als eine Beschreibung der menschlichen Existenz und der Suche nach innerer Ruhe und Zufriedenheit interpretiert werden. Der Dichter ist wie eine Fahne, die von äußeren Einflüssen beeinflusst wird, aber auch wie das Meer, das seine eigenen Stürme und Wellen hat. Er sucht nach einem Weg, um mit diesen Einflüssen umzugehen und seine innere Ruhe zu finden. Die Metapher des Sturms und des Meeres verdeutlicht die Intensität der Emotionen und die Suche nach innerer Zufriedenheit.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Bildlichkeit
- die Türen schließen noch sanft, und in den Kaminen ist Stille
- Kontrast
- während die Dinge unten sich noch nicht rühren
- Metapher
- Ich bin wie eine Fahne von Fernen umgeben.
- Naturbild
- erregt wie das Meer
- Personifikation
- die Winde, die kommen
- Selbstreflexion
- werfe mich ab und bin ganz allein
- Vorausdeutung
- Da weiß ich die Stürme schon
- Wiederholung
- breite mich aus und falle in mich hinein und werfe mich ab