Vorfrühling
1915Pralle Wolken jagen sich in Pfützen Aus frischen Leibesbrüchen schreien Halme Ströme Die Schatten stehn erschöpft. Auf kreischt die Luft Im Kreisen, weht und heult und wälzt sich Und Risse schlitzen jählings sich und narben Am grauen Leib. Das Schweigen tappet schwer herab Und lastet! Da rollt das Licht sich auf Jäh gelb und springt Und Flecken spritzen - Verbleicht Und Pralle Wolken tummeln sich in Pfützen.
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Interpretation
Das Gedicht "Vorfrühling" von August Stramm beschreibt die turbulente und chaotische Atmosphäre des Übergangs vom Winter zum Frühling. Die Natur befindet sich in einem Zustand des Umbruchs, in dem sich Kräfte entladen und erneuern. Die "prallen Wolken", die sich in Pfützen "jagen", symbolisieren die unruhige und dynamische Stimmung dieser Jahreszeit. Die "frischen Leibesbrüche", aus denen "Halme Ströme schreien", verdeutlichen den gewaltsamen und schmerzhaften Prozess des Erwachens und des Wachstums. Die "erschöpften Schatten" und die "kreisende, heulende Luft" verstärken die Atmosphäre der Unruhe und des Chaos. Die plötzlichen "Risse", die sich "schlitzen" und "narben", deuten auf die Brüche und Verletzungen hin, die dieser Übergang mit sich bringt. Das "schwere Schweigen", das "lastet", kontrastiert mit dem plötzlichen Aufleuchten des "gelben Lichts", das "springt" und "Flecken spritzt", bevor es wieder "verbleicht". Dies könnte den flüchtigen und unbeständigen Charakter des Frühlingsanfangs symbolisieren. Das Gedicht endet mit der Wiederholung der ersten Zeile, was die zyklische Natur der Jahreszeiten und den ewigen Kreislauf von Tod und Wiedergeburt unterstreicht. Stramms Verwendung von unkonventionellen Wortkombinationen und abrupten Zeilenumbrüchen trägt zur unruhigen und fragmentierten Atmosphäre des Gedichts bei und spiegelt die chaotische und transformative Natur des Vorfrühlings wider.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Alliteration
- Im Kreisen, weht und heult und wälzt sich
- Anapher
- Pralle Wolken tummeln sich in Pfützen
- Metapher
- Und Flecken spritzen
- Onomatopoesie
- Auf kreischt die Luft
- Personifikation
- Verbleicht