Vorfrühling
1914In dieser Märznacht trat ich spät aus meinem Haus. Die Straßen waren aufgewühlt von Lenzgeruch und grünem Saatregen. Winde schlugen an. Durch die verstörte Häusersenkung gieng ich weit hinaus Bis zu dem unbedecktem Wall und spürte: meinem Herzen schwoll ein neuer Takt entgegen.
In jedem Lufthauch war ein junges Werden ausgespannt. Ich lauschte, wie die starken Wirbel mir im Blute rollten. Schon dehnte sich bereitet Acker. In den Horizonten eingebrannt War schon die Bläue hoher Morgenstunden, die ins Weite führen sollten.
Die Schleusen knirschten. Abenteuer brach aus allen Fernen. Überm Kanal, den junge Ausfahrtwinde wellten, wuchsen helle Bahnen, In deren Licht ich trieb. Schicksal stand wartend in umwehten Sternen. In meinem Herzen lag ein Stürmen wie von aufgerollten Fahnen.
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Interpretation
Das Gedicht "Vorfrühling" von Ernst Stadler beschreibt eine nächtliche Wanderung des lyrischen Ichs im frühen Frühling. Die Stimmung ist von einer spürbaren Veränderung und Erneuerung geprägt, die sich in der Natur und im Inneren des Sprechers vollzieht. Das lyrische Ich verlässt sein Haus und begegnet einem lebendigen, aufgewühlten Vorfrühling. Die Straßen sind erfüllt von einem Lenzgeruch und grünem Saatregen, was auf das Erwachen der Natur hinweist. Der Wind schlägt zu und das lyrische Ich spürt, wie sein Herz einem neuen Takt entgegen schwelt. Die Umgebung ist von einer starken Dynamik und Bewegung geprägt. Die Natur wird als Ort des Werdens und der Erneuerung dargestellt. In jedem Lufthauch ist ein junges Werden ausgespannt, und das lyrische Ich lauscht den starken Wirbeln in seinem Blut. Der Acker dehnt sich aus, und die Horizonte sind von der Bläue hoher Morgenstunden erfüllt, die ins Weite führen sollen. Die Schleusen knirschen, und Abenteuer bricht aus allen Fernen hervor. Das lyrische Ich wird von der Dynamik der Natur mitgerissen und treibt auf hellen Bahnen über den Kanal. Das Schicksal steht in den umwehten Sternen bereit, und im Herzen des lyrischen Ichs liegt ein Stürmen wie von aufgerollten Fahnen. Das Gedicht endet mit einer starken Bildsprache, die die Aufbruchsstimmung und die Bereitschaft für neue Erfahrungen betont.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Metapher
- Stürmen wie von aufgerollten Fahnen
- Personifikation
- Winde schlugen an