Vor lauter Liebe sich nicht Liebe gönnen,
vor lauter Liebe hassen können:
Sie pflegen´s Eifersucht zu nennen.
Vor lauter Liebe
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Kurze Interpretation des Gedichts
Das Gedicht „Vor lauter Liebe“ von Ernst von Feuchtersleben ist eine prägnante Reflexion über die paradoxe Natur der Liebe und die zerstörerischen Auswirkungen, die sie annehmen kann. Es konzentriert sich auf ein einziges, aber tiefgründiges Paradox: die Unfähigkeit, Liebe zuzulassen, und die Fähigkeit, aus Liebe heraus Hass zu empfinden. Die Kürze des Gedichts, bestehend aus nur drei Versen, verstärkt die Aussage und zwingt den Leser, sich intensiv mit den präsentierten Gegensätzen auseinanderzusetzen.
Der erste Vers stellt die paradoxe Ausgangssituation dar: „Vor lauter Liebe sich nicht Liebe gönnen“. Hier wird die Liebe als Ursache für die Verhinderung von Liebe dargestellt. Dies deutet auf eine tiefe Unsicherheit, Selbstverleugnung oder Angst hin, die es einer Person unmöglich macht, Liebe zu empfangen oder zu genießen, selbst wenn sie von Liebe umgeben ist. Der zweite Vers vertieft das Paradox noch, indem er die Liebe als Quelle des Hasses identifiziert: „vor lauter Liebe hassen können“. Dies offenbart eine noch verstörendere Facette der Liebe – die Fähigkeit, aus einer vermeintlich positiven Emotion heraus negative, destruktive Gefühle zu entwickeln.
Der dritte und letzte Vers, „Sie pflegen’s Eifersucht zu nennen“, bietet die Auflösung des Paradoxons. Der Autor identifiziert die Wurzel dieser widersprüchlichen Gefühle als Eifersucht. Eifersucht wird hier als ein Zustand beschrieben, in dem die Liebe in Zorn und Ablehnung umschlägt. Sie entsteht aus der Angst vor Verlust, dem Gefühl der Unzulänglichkeit oder der Unsicherheit in der Beziehung. Die Eifersucht, so impliziert das Gedicht, ist der Motor, der die Selbstverleugnung und den Hass antreibt, welche aus der überbordenden Liebe entstehen.
Feuchterslebens Gedicht ist eine scharfsinnige Beobachtung menschlicher Beziehungen. Es wirft einen Blick auf die Schattenseiten der Liebe und die komplexen Emotionen, die sie auslösen kann. Das Gedicht zeigt, dass Liebe nicht immer ein Gefühl des Glücks ist. Vielmehr kann Liebe auch eine Quelle von Schmerz, Selbstverleugnung und Zerstörung sein. Durch die prägnante Formulierung und die Verwendung eines einfachen Reimschemas erzeugt Feuchtersleben eine tiefgreifende Aussage, die den Leser dazu anregt, über die Natur der Liebe und die menschliche Psyche nachzudenken.
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Lizenz und Verwendung
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