Vor der Stadt

Joseph von Eichendorff

1841

Zwei Musikanten ziehn daher Vom Wald aus weiter Ferne, Der eine ist verliebt gar sehr, Der andre wär es gerne.

Die stehn allhier im kalten Wind Und singen schön und geigen: Ob nicht ein süßverträumtes Kind Am Fenster sich wollt zeigen?

Anhören

Das Gedicht als Bild, zum Downloaden und Teilen

Illustration zu Vor der Stadt

Interpretation

Das Gedicht "Vor der Stadt" von Joseph von Eichendorff handelt von zwei Musikanten, die vom Wald kommen und durch die kalte Stadt ziehen. Der eine ist verliebt, der andere wünscht sich ebenfalls eine Liebe. Sie stehen im kalten Wind und singen und geigen, in der Hoffnung, dass ein "süßverträumtes Kind" am Fenster erscheint und ihnen zuhört. Die beiden Musikanten symbolisieren die Sehnsucht nach Liebe und Geborgenheit in einer kalten, urbanen Welt. Der Wald, aus dem sie kommen, steht für die Natur und die damit verbundene Romantik und Leidenschaft. Die Stadt dagegen ist kalt und unwirtlich, die Menschen sind in ihren Häusern und lassen die Musikanten nicht an ihrer Wärme teilhaben. Die Frage nach dem "süßverträumten Kind" am Fenster verdeutlicht die Hoffnung der Musikanten auf eine kleine Geste der Menschlichkeit und Anerkennung. Sie wünschen sich, dass wenigstens ein Mensch aus den kalten Häusern tritt und sich ihre Musik anhört. Das Kind symbolisiert hier die Unschuld und das ungebrochene Empfinden für Schönheit, das die Musikanten in der Stadt vermissen. Insgesamt vermittelt das Gedicht eine melancholische Stimmung und thematisiert die Einsamkeit und Entfremdung des Individuums in der modernen Welt. Die Musikanten sind auf der Suche nach Liebe und Geborgenheit, finden aber nur Ablehnung und Kälte. Das Gedicht spiegelt die romantische Ideologie wider, die die Natur und die Emotionen gegen die rationale, städtische Welt setzt.

Schlüsselwörter

zwei musikanten ziehn daher wald weiter ferne verliebt

Wortwolke

Wortwolke zu Vor der Stadt

Stilmittel

Alliteration
Zwei Musikanten ziehn daher
Bildsprache
Vom Wald aus weiter Ferne
Kontrast
Der eine ist verliebt gar sehr, Der andre wär es gerne
Personifikation
Die stehn allhier im kalten Wind
Rhetorische Frage
Ob nicht ein süßverträumtes Kind Am Fenster sich wollt zeigen?