Vor dem Sommerregen

Rainer Maria Rilke

1926

Auf einmal ist aus allem Grün im Park man weiß nicht was, ein Etwas fortgenommen; man fühlt ihn näher an die Fenster kommen und schweigsam sein. Inständig nur und stark

ertönt aus dem Gehölz der Regenpfeifer, man denkt an einen Hieronymus: so sehr steigt irgend Einsamkeit und Eifer aus dieser einen Stimme, die der Guß

erhören wird. Des Saales Wände sind mit ihren Bildern von uns fortgetreten, als dürften sie nicht hören was wir sagen.

Es spiegeln die verblichenen Tapeten das ungewisse Licht von Nachmittagen, in denen man sich fürchtete als Kind.

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Interpretation

Das Gedicht "Vor dem Sommerregen" von Rainer Maria Rilke beschreibt eine Stimmung der Erwartung und Einsamkeit vor einem Sommerregen. Die Natur scheint sich auf das bevorstehende Unwetter vorzubereiten, indem sie still und leise wird. Das Gedicht zeichnet ein Bild von der Atmosphäre in einem Raum, in dem die Bilder an den Wänden so tun, als würden sie nicht hören, was gesagt wird. Die verblassten Tapeten spiegeln das unsichere Licht eines Nachmittags wider, an dem man als Kind Angst hatte. Die erste Strophe des Gedichts beschreibt, wie plötzlich etwas aus dem Grün des Parks verschwindet und die Stille und Nähe des Regens spürbar wird. Die zweite Strophe konzentriert sich auf den Regenpfeifer, einen Vogel, dessen Ruf an den Heiligen Hieronymus erinnert und eine tiefe Einsamkeit und Leidenschaft ausdrückt. Die dritte Strophe beschreibt die Atmosphäre in einem Raum, in dem die Bilder an den Wänden so tun, als würden sie nicht hören, was gesagt wird. Die letzte Strophe beschreibt die verblassten Tapeten, die das unsichere Licht eines Nachmittags widerspiegeln, an dem man als Kind Angst hatte.

Schlüsselwörter

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Wortwolke

Wortwolke zu Vor dem Sommerregen

Stilmittel

Bildsprache
Es spiegeln die verblichenen Tapeten das ungewisse Licht von Nachmittagen, in denen man sich fürchtete als Kind.
Metapher
Inständig nur und stark ertönt aus dem Gehölz der Regenpfeifer.
Personifikation
Des Saales Wände sind mit ihren Bildern von uns fortgetreten, als dürften sie nicht hören was wir sagen.
Vergleich
Man denkt an einen Hieronymus: so sehr steigt irgend Einsamkeit und Eifer aus dieser einen Stimme.