Von zweyen vormals berühmten Chur-Fürsten
1713Germania gab neunen ihrer Söhnen Theils Mützen/ theils auch einen Hut/ Worunter fast ein König ruht. Zwey aber ließ sie krönen/ Zwey Helden/ deren Tapferkeit Und Tugend in Vollkommenheit/ Ja die ihr Kleinod waren. Es hatten diß zwey Brüder kaum erfahren/ So trieb der Neid sie an/ Der Ehrgeitz/ der nicht ruhen kan/ Auf ihrem Haupt auch Cronen Gold zu tragen. Das Werck war schwer; Die Mutter hatte keine mehr. Da hieß es denn: man muß was kühnes wagen. Der Mutter setzten sie den Degen an das Hertz. Die Crone wolten sie von ihrem Haupte reissen. Hier rief Gerechtigkeit und Schmertz: Ihr Freund′ und Söhne helft. Da gieng es an ein schmeissen Die Helden schonten nicht vor sie ihr tapffres Blut. Germania ließ drauf die Sieges-Fahne fliegen. Die Brüder konten nicht der Freyheit Crone kriegen/ Verlohren aber noch so Mützen als den Hut.
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Interpretation
Das Gedicht "Von zweyen vormals berühmten Chur-Fürsten" von Christian Friedrich Hunold erzählt eine tragische Geschichte von Ehrgeiz, Neid und dem Streben nach Macht. Die Germania, symbolisch für das deutsche Land, gebiert zwei Brüder, die als Helden und Vorbilder gelten. Ihr Ruhm und ihre Tugend machen sie zu begehrten Kandidaten für die Krone, was den Neid und den Ehrgeiz anderer anstachelt. Die Brüder werden von den Mächten des Neids und des Ehrgeizes getrieben, die sich nicht damit zufriedengeben, dass die Germania ihnen bereits Mützen und einen Hut, also bereits eine Form von Macht und Anerkennung, verliehen hat. Sie beschließen, die Krone zu erringen, auch wenn dies bedeutet, ihre Mutter, die Germania, zu bedrohen. Dies symbolisiert den Verrat an den eigenen Wurzeln und Werten. Die Handlungen der Brüder führen zu einem Konflikt, in dem die Gerechtigkeit und der Schmerz um Hilfe rufen. Die Brüder, die einst als Helden galten, opfern ihr tapferes Blut im Kampf. Am Ende triumphiert die Germania, symbolisiert durch das Fliegen der Siegesfahne, aber die Brüder verlieren alles, einschließlich der Freiheitskrone, die sie so sehr begehrten. Das Gedicht endet mit dem Verlust sowohl der Mützen als auch des Hutes, was den endgültigen Fall der Brüder aus der Gunst und Macht darstellt.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Hyperbel
- Zwey Helden/ deren Tapferkeit Und Tugend in Vollkommenheit/ Ja die ihr Kleinod waren
- Metapher
- Die Brüder konten nicht der Freyheit Crone kriegen
- Personifikation
- Der Neid trieb sie an/ Der Ehrgeitz/ der nicht ruhen kan