Von Rôme vogt...

Walther von der Vogelweide

1930

Von Rôme vogt, von Pülle künec, lât iuch erbarmen daz man mich bî sô rîcher kunst lât alsus armen. gerne wolde ich, möhte ez sîn, bî eigenem fiure erwarmen. zâhiu wiech danne sunge von den vogellînen, von der heide und von den bluomen, als ich wîlent sanc ! swelch schœne wîp mir denne gæbe ir habedanc, der liez ich liljen unde rôsen ûz ir wengel schînen. sus kume ich spâte und rîte fruo, “gast, wê dir, wê!”: sô mac der wirt baz singen von dem grüenen klê. die nôt bedenkent, milter künec, daz iuwer nôt zergê.

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Interpretation

Das Gedicht "Von Rôme vogt, von Pülle künec" von Walther von der Vogelweide beschreibt die Sehnsucht des lyrischen Ichs nach künstlerischer Freiheit und Anerkennung. Der Sprecher bittet den Vogt von Rom und den König von Frankreich um Erbarmen, da er in einer Zeit reicher Kunst in Armut leben muss. Er sehnt sich danach, bei eigenem Feuer zu wärmen und frei von den Vöglein, der Heide und den Blumen zu singen, wie er es wünscht. Das lyrische Ich träumt davon, schöne Frauen zu umwerben und ihnen Lilien und Rosen aus ihrem Haar leuchten zu lassen. Es möchte spät kommen und früh reiten, um als Gast bei anderen zu sein und vom grünen Klee zu singen. Der Sprecher appelliert an das Mitleid des Königs, da auch er in Not ist und hofft, dass der König seine Not versteht und ihm hilft, aus seiner eigenen Not herauszukommen. Das Gedicht thematisiert die Spannung zwischen künstlerischem Streben und materieller Not. Walther von der Vogelweide drückt die Hoffnung aus, dass die Mächtigen sein Talent erkennen und ihm die Möglichkeit geben, seine Kunst frei zu entfalten. Es ist ein Appell an die Obrigkeit, die Künstler zu unterstützen und ihnen die nötigen Mittel zur Verfügung zu stellen, um ihre kreative Arbeit zu ermöglichen.

Schlüsselwörter

künec daz vogt pülle iuch erbarmen kunst alsus

Wortwolke

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Stilmittel

Alliteration
Von Rôme vogt, von Pülle künec
Bildsprache
von der heide und von den bluomen
Hyperbel
swelch schœne wîp mir denne gæbe ir habedanc
Kontrast
spâte und rîte fruo
Metapher
bî eigenem fiure erwarmen
Personifikation
die nôt bedenkent