Von Liebe
1891Am Abend sprach das Meer und flüsterte: Ihr schönen Mägdelein, erzählt mir leise, Ich will die Liebe wissen! Redet mir So von der Liebe, gleich als sollte ich Dran sterben, so als müsst’ in Ruhe ich Versinken dran, als könnte sie vorm Sturme Mich schützen, dass so wütend er nicht mehr Auf mich sich stürzte! - O! so sprachen da Die Mägdelein, - Wir wissen wahrlich nicht, Du armes Meer, ob wir erzählen dürfen; Denn nimmermehr würdst du in wilder Kraft Die Schiffe schleudern wollen, und der Felsen Sorgenumwölbte Stirn mit Schaume peitschen, Noch wälzen unter jähe, grüne Klippen Der Sterne Blicken. Glaub’ uns Meer, Du wolltest So mächtig nimmer sein, so scheu und spröde, In deinen Schoß und in dein Herz nicht mehr Die schlafumfangnen Menschenherzen saugen. Du würdest dann gleich uns den Himmel ansehn, Und ihn nicht sehen, lächeln, wie der Wind Vorüberweht, und weinen, weil die Sonne Aufgeht! Nein! wir werden nichts erzählen!
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Interpretation
Das Gedicht "Von Liebe" von Carmen Sylva handelt von einem Gespräch zwischen dem Meer und den schönen Mädchen. Das Meer bittet die Mädchen, ihm von der Liebe zu erzählen, als ob es daran sterben würde und als ob die Liebe es vor Stürmen schützen könnte. Die Mädchen antworten, dass sie nicht wissen, ob sie davon erzählen dürfen. Sie erklären, dass das Meer, wenn es die Liebe kennen würde, nicht mehr so wild und mächtig sein würde. Es würde nicht mehr Schiffe schleudern oder Felsen peitschen. Das Meer würde sich nicht mehr so scheu und spröde verhalten und nicht mehr die Herzen der Menschen in seinen Schoß und sein Herz saugen. Es würde den Himmel ansehen und ihn nicht sehen, lächeln wie der Wind vorüberweht und weinen, weil die Sonne aufgeht. Die Mädchen entscheiden sich letztendlich dagegen, dem Meer von der Liebe zu erzählen.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Anapher
- so mächtig nimmer sein, so scheu und spröde
- Apostroph
- Ihr schönen Mägdelein, erzählt mir leise
- Bedingt
- als könnte sie vorm Sturme Mich schützen
- Hyperbel
- so als müsst' in Ruhe ich Versinken dran
- Kontrast
- Und ihn nicht sehen, lächeln, wie der Wind Vorüberweht, und weinen, weil die Sonne Aufgeht
- Metapher
- In deinen Schoß und in dein Herz nicht mehr Die schlafumfangnen Menschenherzen saugen
- Personifikation
- Am Abend sprach das Meer und flüsterte