Von Katzen

Theodor Storm

1848

Vergangnen Maitag brachte meine Katze Zur Welt sechs allerliebste kleine Kätzchen, Maikätzchen, alle weiß mit schwarzen Schwänzchen. Fürwahr, es war ein zierlich Wochenbettchen!

Die Köchin aber, Köchinnen sind grausam, Und Menschlichkeit wächst nicht in einer Küche - Die wollte von den sechsen fünf ertränken, Fünf weiße, schwarzgeschwänzte Maienkätzchen Ermorden wollte dies verruchte Weib.

Ich half ihr heim! - Der Himmel segne Mir meine Menschlichkeit! Die lieben Kätzchen, Sie wuchsen auf und schritten binnen kurzem Erhobnen Schwanzes über Hof und Herd; Ja, wie die Köchin auch ingrimmig drein sah, Sie wuchsen auf, und nachts vor ihrem Fenster Probierten sie die allerliebsten Stimmchen.

Ich aber, wie ich sie so wachsen sehe, Ich preis mich selbst und meine Menschlichkeit.

Ein Jahr ist um, und Katzen sind die Kätzchen, Und Maitag ist’s! - Wie soll ich es beschreiben, Das Schauspiel, das sich jetzt vor mir entfaltet!

Mein ganzes Haus, vom Keller bis zum Giebel, Ein jeder Winkel ist ein Wochenbettchen!

Hier liegt das eine, dort das andre Kätzchen, In Schränken, Körben, unter Tisch und Treppen, Die Alte gar - nein, es ist unaussprechlich, Liegt in der Köchin jungfräulichem Bette!

Und jede, von den sieben Katzen Hat sieben, denkt euch! sieben junge Kätzchen, Maikätzchen, alle weiß mit schwarzem Schwänzchen!

Die Köchin rast, ich kann der blinden Wut Nicht Schranken setzen dieses Frauenzimmers; Ersäufen will sie alle neunundvierzig!

Mir selber, ach, mir läuft der Kopf davon - O Menschlichkeit, wie soll ich dich bewahren! Was fang ich an mit sechsundfünfzig Katzen!?

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Illustration zu Von Katzen

Interpretation

Das Gedicht "Von Katzen" von Theodor Storm handelt von der Vermehrung von Katzen und den daraus resultierenden Problemen. Zunächst wird die Geburt von sechs niedlichen Kätzchen beschrieben, die alle weiß mit schwarzen Schwänzen sind. Die Köchin möchte jedoch fünf der Kätzchen ertränken, was der Erzähler verhindert und stolz auf seine Menschlichkeit ist. Ein Jahr später hat sich die Situation drastisch verändert. Die Katzen haben sich stark vermehrt, und das ganze Haus ist voller Kätzchen. Jede der sieben Katzen hat sieben Junge bekommen, was zu einer überwältigenden Anzahl von Katzen führt. Die Köchin ist wütend und möchte alle neunundvierzig Kätzchen ersäufen, während der Erzähler verzweifelt versucht, seine Menschlichkeit zu bewahren und sich fragt, wie er mit sechsundfünfzig Katzen umgehen soll. Das Gedicht thematisiert die unerwarteten Folgen von gut gemeinten Handlungen und die Schwierigkeit, Mitgefühl und Verantwortung in Einklang zu bringen. Es zeigt auch die Ironie der Situation, in der die anfängliche Rettung der Kätzchen zu einem Problem führt, das schwer zu bewältigen ist.

Schlüsselwörter

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Stilmittel

Alliteration
Maikätzchen, alle weiß mit schwarzen Schwänzchen.
Hyperbel
Mein ganzes Haus, vom Keller bis zum Giebel, Ein jeder Winkel ist ein Wochenbettchen!
Ironie
Ich preis mich selbst und meine Menschlichkeit.
Metapher
Ein jeder Winkel ist ein Wochenbettchen!
Personifikation
Die Köchin rast, ich kann der blinden Wut Nicht Schranken setzen dieses Frauenzimmers;
Reimschema
AABB
Wiederholung
Maikätzchen, alle weiß mit schwarzen Schwänzchen.