Von einem unglücklichen Bauer
1713Ein Baur geht in die Stadt/ Und weil er einen Bart von funfzig Ellen hat/ So läßt er sich balbieren. Ein junger Kerl/ der nicht die Kunst versteht/ Kömt über ihn/ sein Messer zu probiren. Er schiert/ daß Haar und Haut herunter geht. Der Baur sang trefflich schön/ Und muste sich zum Gelde doch verstehn. Er kam hiernechst in einen Streit. Ein junger Advocat war hier nicht weit/ Sein Handwerck anzubieten. Ob Kluge schon zu dem Vergleiche riethen: So war der junge Rabulist Doch so geschickt/ den Bauren zu betrügen. Das Urtheil lief sehr schlecht; die Kunst war aus zulügen. Ich weiß/ daß Hauß und Hoff darauf gegangen ist. Der arme Baur verfiel in großen Kram/ Daß über ihn ein starckes Fieber kam. Ein junger Artzt/ der kaum so viele Lachen Als Krancken je gehabt/ gieng selbst zu ihm ins Hauß/ Er striche seine Pillen raus. Das Fieber solte gleich vor seinem Pulver weichen. Darneben war auch eine Gold-Tinctur/ Die aus des Krancken Beutel fuhr. Die Artzeney schlug trefflich an/ So daß sich ietzt der Baur nicht mehr beklagen kan.
Diß dreyes kanst du nun an einem Weibe haben/ Die jung und feurig ist/ galant, verthut und spielt/ Die erstlich deine Krafft/ denn Gut und Ehre stiehlt/ Und alle Qvaal ersinnt/ dich zeitlich zu begraben.
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Interpretation
Das Gedicht "Von einem unglücklichen Bauer" von Christian Friedrich Hunold schildert das Unglück eines Bauern, der in die Stadt geht und dort eine Reihe von Missgeschicken erleidet. Zunächst wird er von einem unerfahrenen Barbier rasiert, der ihm dabei unabsichtlich das Gesicht verletzt. Anschließend gerät er in einen Streit, bei dem ihn ein junger Advokat betrügt, sodass er sein Haus und Hof verliert. Schließlich erkrankt der Bauer an Fieber und wird von einem jungen Arzt behandelt, der ihm teure Medikamente verschreibt, die jedoch nur sein Geld rauben. Die drei Schicksalsschläge des Bauern werden symbolisch mit einer jungen, feurigen und galanten Frau verglichen, die dem Mann zunächst seine Kraft, dann sein Gut und seine Ehre stiehlt und schließlich alle Qualen ersinnt, um ihn zeitlich zu begraben. Hunold nutzt diese Analogie, um die Gefahren zu verdeutlichen, die von einer solchen Frau ausgehen können. Sie wird als verführerisch und betrügerisch dargestellt, die den Mann nach und nach ausbeutet und am Ende sogar in den Tod treibt. Die Interpretation des Gedichts legt nahe, dass Hunold vor den Gefahren warnt, die von unerfahrenen Handwerkern, betrügerischen Anwälten und gewissenlosen Ärzten ausgehen können. Er nutzt die Geschichte des unglücklichen Bauern, um die Leichtgläubigkeit und Naivität des Landvolks gegenüber den raffinierten Städtern zu kritisieren. Gleichzeitig warnt er vor den Gefahren einer jungen, verführerischen Frau, die den Mann nach und nach ausbeutet und am Ende sogar in den Tod treibt.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Alliteration
- Daß über ihn ein starckes Fieber kam.
- Hyperbel
- Ein Baur geht in die Stadt/ Und weil er einen Bart von funfzig Ellen hat
- Ironie
- Der Baur sang trefflich schön/ Und muste sich zum Gelde doch verstehn.
- Metapher
- Die Artzeney schlug trefflich an/ So daß sich ietzt der Baur nicht mehr beklagen kan.
- Personifikation
- Das Fieber solte gleich vor seinem Pulver weichen.
- Vergleich
- Diß dreyes kanst du nun an einem Weibe haben/ Die jung und feurig ist, galant, verthut und spielt/ Die erstlich deine Krafft, denn Gut und Ehre stiehlt/ Und alle Qvaal ersinnt/ dich zeitlich zu begraben.