Von einem Hanen

Erasmus Alberus

1512

Zu Sternbach ein reicher man/ der hatt ein hof/ da war ein han/ Der gieng umbher/ und scharr im mist/ wie dann der huner gewonheit ist. Da fand er etwas/ das war klein/ das selbig war ein Edelgstein. Was find ich da so glitzericht? sprach er/ es nutzt mir eben nicht. Wehr irn ein reicher kauffman hie/ er war so hoch erfrewet nie/ Der wust wol/ was er mit thun sölt/ und das es ihm vle geldes gölt/ Ich weiss nit/ was ich mit soll thun/ weiss nit mehr dann ein ander hun. Drumb wehr es noch so hubsch und schon so gibt mirs doch geringen lohn/ Und fünd ich tausend edelgstein/ ich acht sie allzumal gar klein. Fund ich darü uff diessem mist ein gersten korn/ mir lieber ist.

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Illustration zu Von einem Hanen

Interpretation

Das Gedicht "Von einem Hanen" von Erasmus Alberus handelt von einem Hahn, der auf einem Misthaufen einen Edelstein findet. Der Hahn, der nicht den Wert des Edelsteins erkennt, hält ihn für wertlos und wünscht sich stattdessen ein Gerstenkorn, das ihm mehr nützen würde. Der Hahn symbolisiert hier einen Menschen, der nicht in der Lage ist, den Wert von Dingen zu erkennen, die ihm nicht direkt nützlich erscheinen. Der Edelstein steht für wertvolle Dinge oder Gelegenheiten, die dem Hahn, und damit dem Menschen, nicht bewusst sind. Das Gedicht kritisiert die Kurzsichtigkeit und den Mangel an Weitsicht, der dazu führt, dass man das wirklich Wertvolle im Leben übersieht. Es regt zum Nachdenken an über die Bedeutung von Bildung und Wissen, um den Wert von Dingen richtig einschätzen zu können.

Schlüsselwörter

reicher mist klein edelgstein wehr thun weiss nit

Wortwolke

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Stilmittel

Ironie
Was find ich da so glitzericht? sprach er/ es nutzt mir eben nicht.
Kontrast
Fund ich darü uff diessem mist ein gersten korn/ mir lieber ist.
Metapher
Da fand er etwas/ das war klein/ das selbig war ein Edelgstein.
Personifikation
Wie dann der huner gewonheit ist.
Vergleich
Und fünd ich tausend edelgstein/ ich acht sie allzumal gar klein.