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Von einem Hanen

Von

Zu Sternbach ein reicher man/
der hatt ein hof/ da war ein han/
Der gieng umbher/ und scharr im mist/
wie dann der huner gewonheit ist.
Da fand er etwas/ das war klein/
das selbig war ein Edelgstein.
Was find ich da so glitzericht?
sprach er/ es nutzt mir eben nicht.
Wehr irn ein reicher kauffman hie/
er war so hoch erfrewet nie/
Der wust wol/ was er mit thun sölt/
und das es ihm vle geldes gölt/
Ich weiss nit/ was ich mit soll thun/
weiss nit mehr dann ein ander hun.
Drumb wehr es noch so hubsch und schon
so gibt mirs doch geringen lohn/
Und fünd ich tausend edelgstein/
ich acht sie allzumal gar klein.
Fund ich darü uff diessem mist
ein gersten korn/ mir lieber ist.

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Gedicht: Von einem Hanen von Erasmus Alberus

Kurze Interpretation des Gedichts

Das Gedicht „Von einem Hanen“ von Erasmus Alberus ist eine kurze, satirische Fabel, die auf humorvolle Weise die Wertvorstellungen eines Huhns im Vergleich zu denen eines Kaufmanns aufzeigt und eine Moral über die Relativität des Wertes vermittelt. Die Geschichte beginnt mit einem wohlhabenden Mann in Sternbach, der einen Hof mit einem Hahn besitzt, welcher, seiner Natur gemäß, im Mist nach Nahrung sucht.

Die Pointe des Gedichts kulminiert, als der Hahn einen Edelstein findet. Seine Reaktion ist jedoch von völliger Unkenntnis geprägt. Er erkennt den Wert des Fundes nicht und erklärt, dass er ihm nichts nützt. Der Hahn vergleicht das Glitzern des Steins mit der Freude eines Kaufmanns, der den Wert des Edelsteins sofort erkennt. Diese Gegenüberstellung verdeutlicht den Unterschied in der Wertewahrnehmung, basierend auf den jeweiligen Bedürfnissen und der Erfahrung. Der Hahn, der sich mit der Suche nach Nahrung begnügt, kann den Wert des Edelsteins nicht erfassen.

Die Botschaft des Gedichts wird im letzten Teil verstärkt. Der Hahn erklärt, dass ihm ein Gerstenkorn auf dem Misthaufen mehr wert wäre als tausend Edelsteine. Dieser Satz unterstreicht die moralische Lehre des Gedichts: Der Wert einer Sache ist relativ und hängt von der Perspektive und den Bedürfnissen des Betrachters ab. Was für den einen wertvoll ist, kann für den anderen wertlos sein. Die Einfachheit der Sprache und die bildhafte Darstellung der Szene machen die Moral leicht verständlich.

Der Autor nutzt in diesem Gedicht die Figur des Hahns als humorvollen Kontrastpunkt. Der Hahn dient als Sinnbild für jemanden, der sich auf seine unmittelbaren Bedürfnisse konzentriert und die weiterreichende Bedeutung von Dingen nicht erkennt. Die Verwendung von Reimschema und einfacher Sprache, sowie die direkten Aussagen des Hahns, verleihen dem Gedicht eine volkstümliche Qualität. Es ist eine Mahnung an die Leser, über ihre eigenen Wertvorstellungen nachzudenken und die Perspektiven anderer zu berücksichtigen.

Weitere Informationen

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Lizenz und Verwendung

Dieses Gedicht fällt unter die „public domain“ oder Gemeinfreiheit. Gemeinfreiheit bedeutet, dass ein Werk nicht (mehr) durch Urheberrechte geschützt ist und daher von allen ohne Erlaubnis des Urhebers frei genutzt, vervielfältigt und verbreitet werden darf. Sie tritt meist nach Ablauf der gesetzlichen Schutzfrist ein, z. B. 70 Jahre nach dem Tod des Autors. Weitere Informationen dazu finden sich hier.