Von Art der Deutschen Poeterey
1619Die Deutschen haben ein b’sonder Art und Weise / Dass sie der fremden Völker Sprach mit Fleisse / Lernen und wöllen erfahrn / Kein Müh nicht spar’n / In ihren Jahren.
Wie solches den ist an ihm selbs’ hoch z’loben / Drauss man ihr Geschicklichkeit gar wol kan proben / Wenn sie nur auch ihr eigene Sprachen / Nit unwerth machen / Durch solche Sachen.
Den ander Nationen also b’scheide / Ihr Sprach vor ändern loben und preisen weidte / Manch Reimen drin dichten / So künstlich schlichten / Und z’sammen richten.
Wir wundern uns dass die Poeten gschriben / So künstlich Vers und Meisterstück getrieben / Dass doch nit ist solch wunder / Weil sie gschrieben b’sunder / Ihr Sprach jetzunder.
Den sein Ouidius und Maro Gierte / Nit gwesen Reimer also hoch geehrte / Die sie in der Mutter Zungen / Lateinisch gsungen / Dass ihnen g’lungen.
Warumb sollen wir den unser Teutsche Sprachen / In gwisse Form und Gsatz nit auch mögen machen / Und Deutsches Carmen schreiben / Die Kunst zutreiben / Bei Mann und Weiben.
So doch die Deutsche Sprach vil schwerer eben / Alss ander all / auch vil mehr müh thut geben / Drin man muss obseruiren / Die Silben recht führen / Den Reim zu zieren.
Man muss die Pedes gleich so wol scandiren, Den Dactilum und auch Spondeum rieren / Sonst wo das nit würd gehalten / Da sein d’Reim gespalten / Krumb und voll falten.
Und das nach schwerer ist so sollen die Reime / Zu letzt grad zsammen gehn und gleine / Das in Lateiner Zungen / Nit würdt erzwungen / Nicht dicht noch g’sungen.
Drumb ist es vil ein schwerer Kunst recht dichten / Die Deutsche Reim alls eben Lateinisch schlichten / Wir mögen neue Reim erdencken / Und auch dran hencken / Die Reim zu lencken.
Niembt sich auch billich ein Poeten nennet / Wer d’Griechisch und Lateinisch Sprach nit kennet / Noch d’Singkunst recht thut riehen / Vil Wort von Griechen / Ins Deutsch her kriechen.
Noch dürffen sich vil Teutsche Poeten rühmen / Sich also schreiben die besser zügen am Riemen / Schmiden ein so hinckets Carmen, Ohn Fuss und Armen / Das zuerbarmen.
Wenn sie nur reimen z’sammen die letzte Silben / Gott geb wie die Wörter sich uberstilben / Das jrret nicht ihre zotten / Ein Handt voll Notten / Ist baldt versotten.
O wenn sie sollen darfür an d’Hacken greiften / Und hacken Holtz / wenn es nit khride zu Pfeiffen / Khridts doch zu Poltzen selber / Sie trügen doch gelber / Für Lorber Felber.
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Interpretation
Das Gedicht "Von Art der Deutschen Poeterey" von Theobald Hock kritisiert die Neigung der Deutschen, fremde Sprachen zu erlernen, während sie ihre eigene Sprache vernachlässigen. Hock lobt zwar die Fleißigkeit der Deutschen, betont jedoch, dass sie ihre Muttersprache nicht durch die Beschäftigung mit anderen Sprachen entwerten sollten. Er hebt hervor, dass andere Nationen ihre Sprachen loben und preisen, und dass deutsche Dichter, die ihre eigene Sprache nicht beherrschen, nicht als Poeten gelten können. Hock argumentiert, dass die deutsche Sprache an sich schwieriger zu dichten ist als andere Sprachen, da sie eine genaue Beachtung von Silben, Reimen und Versfüßen erfordert. Er betont die Komplexität des deutschen Reims, der oft schwerer zu gestalten ist als der lateinische. Der Dichter fordert, dass deutsche Dichter ihre Sprache beherrschen und die Kunst des Dichtens in ihrer Muttersprache pflegen sollten, anstatt sich auf fremde Sprachen zu verlassen. Das Gedicht endet mit einer scharfen Kritik an den deutschen Dichtern, die sich zwar Poeten nennen, aber keine Beherrschung der griechischen und lateinischen Sprachen sowie der Singkunst aufweisen. Hock vergleicht diese Dichter mit Holzhackern, die, wenn sie kein Holz hacken können, zu Pfeifenmachern werden. Er impliziert, dass diese Dichter, die keine echten Poeten sind, sich mit anderen Tätigkeiten beschäftigen sollten, anstatt sich als Dichter auszugeben.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Alliteration
- Die Deutschen haben ein b'sonder Art und Weise
- Bildsprache
- Und hacken Holtz / wenn es nit khride zu Pfeiffen
- Hyperbel
- Sie trügen doch gelber / Für Lorber Felber
- Kontrast
- Den sein Ouidius und Maro Gierte / Nit gwesen Reimer also hoch geehrte
- Metapher
- Wenn sie nur reimen z'sammen die letzte Silben / Gott geb wie die Wörter sich uberstilben
- Parallelismus
- Den Dactilum und auch Spondeum rieren / Sonst wo das nit würd gehalten / Da sein d'Reim gespalten
- Personifikation
- So künstlich Vers und Meisterstück getrieben
- Rhetorische Frage
- Warumb sollen wir den unser Teutsche Sprachen / In gwisse Form und Gsatz nit auch mögen machen
- Vergleich
- Die Deutsche Sprach vil schwerer eben / Alss ander all
- Wiederholung
- Die Deutsche Reim alls eben Lateinisch schlichten