Vom Tode

Friedrich Theodor Vischer

1831

In der Jugend heiterem Morgenroth Denkt kein Mensch an Alter und Tod, Und dieß mit allem Grund und Fug, Denn an den Tod soll man nicht denken. Im Alter kostet es Müh’ genug, Die Gedanken von ihm abzulenken.

Memento mori: hohler Popanz! Motto für einen Todtentanz! Taugt nichts für Junge und nichts für Greise; Memento vivere sagt der Weise: Fülle dein Leben tüchtig aus: Mit dem Rath hält man richtig Haus.

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Interpretation

Das Gedicht "Vom Tode" von Friedrich Theodor Vischer beschäftigt sich mit dem menschlichen Umgang mit dem Tod in verschiedenen Lebensphasen. Der Autor beginnt mit der Jugend, in der der Tod keine Rolle spielt und auch nicht spielen sollte. Diese Lebensphase ist geprägt von einem sorglosen Umgang mit der eigenen Sterblichkeit, da das Leben noch vor einem liegt und die Gedanken an den Tod als unnötig und belastend empfunden werden. Im mittleren Lebensabschnitt, dem Alter, ändert sich die Perspektive. Hier wird der Versuch, den Tod aus den Gedanken zu verbannen, zu einer mühsamen Aufgabe. Die Realität der eigenen Sterblichkeit rückt näher, und der Mensch beginnt, sich mit ihr auseinanderzusetzen. Vischer deutet an, dass diese Auseinandersetzung nicht immer einfach ist und oft mit Anstrengung verbunden ist. Der letzte Teil des Gedichts bietet eine Lösung für den Umgang mit dem Tod an. Vischer lehnt die lateinische Devise "Memento mori" (bedenke, dass du sterben musst) als unpassend für beide Altersgruppen ab. Stattdessen schlägt er "Memento vivere" (bedenke, dass du lebst) als weiseren Rat vor. Der Dichter plädiert dafür, das Leben in vollen Zügen zu genießen und auszuschöpfen, anstatt sich mit dem Tod zu beschäftigen. Dieser Ansatz wird als vernünftige Lebensführung dargestellt, die den Menschen hilft, mit der Endlichkeit des Lebens umzugehen.

Schlüsselwörter

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Stilmittel

Anapher
Denkt kein Mensch an Alter und Tod, Und dieß mit allem Grund und Fug, Denn an den Tod soll man nicht denken.
Kontrast
Memento mori: hohler Popanz! Motto für einen Todtentanz! Taugt nichts für Junge und nichts für Greise; Memento vivere sagt der Weise:
Metapher
Memento mori: hohler Popanz!
Parallelismus
Fülle dein Leben tüchtig aus: Mit dem Rath hält man richtig Haus.