Vom Kirschbaum

Ferdinand Avenarius

unknown

Ist alles ganz kahl und still, nicht mal im Grase sich′s regen will, steht alles geduckt, klappert im Frost und muckt mit dem Winter. Der putzt es mit Rauhreif auf, aber keines gibt was drauf.

Doch im Garten sagt einer: Ich kann warten. Ist jemand, du kennst ihn wieder kaum, so dünn ist er worden: der Kirschenbaum. Schläft er nicht? Trau einer dem Wicht! Heute mittag um eins gab′s mal ein Pröbchen Sonnenscheins: Darin - ich habe das deutlich gesehn - mit seinen Knospen fingerte der alte Knabe, ein wenig vorsichtig und geziert, wie man Badewasser probiert. Und über seine Runzeln ging ein Schmunzeln.

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Illustration zu Vom Kirschbaum

Interpretation

Das Gedicht "Vom Kirschbaum" von Ferdinand Avenarius beschreibt den Übergang vom Winter zum Frühling und die Sehnsucht nach dem Erwachen der Natur. Der Kirschbaum, der im Winter kahl und schlafend erscheint, wartet geduldig auf die ersten warmen Sonnenstrahlen. Trotz der Kälte und des Frostes lässt der Kirschbaum sich nicht unterkriegen und bereitet sich innerlich auf den kommenden Frühling vor. Der Dichter verwendet eine bildhafte Sprache, um die Stimmung des Gedichts zu vermitteln. Die winterliche Landschaft wird als "kahl und still" beschrieben, und die Natur scheint "geduckt" und "klappernd im Frost". Der Kirschbaum hingegen wird als "alter Knabe" personifiziert, der geduldig wartet und seine Knospen vorsichtig "fingerte", wie man Badewasser probiert. Diese Metapher verdeutlicht die vorsichtige Erwartung des Kirschbaums auf die ersten warmen Sonnenstrahlen. Die Stimmung des Gedichts wandelt sich im Laufe der Verse von einer winterlichen Kälte zu einer hoffnungsvollen Erwartung des Frühlings. Der Kirschbaum, der zunächst als schlafend und unbedeutend erscheint, wird zum Symbol der Hoffnung und des Neubeginns. Das "Schmunzeln" über seine Runzeln am Ende des Gedichts deutet auf eine stille Freude und Zuversicht hin, dass der Frühling bald kommen wird. Das Gedicht vermittelt somit eine Botschaft der Hoffnung und der unaufhaltsamen Kraft der Natur, die sich auch in den härtesten Wintern nicht unterkriegen lässt.

Schlüsselwörter

ganz kahl still grase regen will steht geduckt

Wortwolke

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Stilmittel

Metapher
fingerte der alte Knabe
Personifikation
über seine Runzeln ging ein Schmunzeln
Vergleich
wie man Badewasser probiert