Vogel Albatross

Friedrich Nietzsche

1882

O Wunder! Fliegt er noch? Er steigt empor und seine Flügel ruhn! Was hebt und trägt ihn doch? Was ist ihm Ziel und Zug und Zügel nun?

Er flog zu höchst - nun hebt Der Himmel selbst den siegreich Fliegenden: Nun ruht er still und schwebt, Den Sieg vergessend und den Siegenden.

Gleich Stern und Ewigkeit Lebt er in Höhn jetzt, die das Leben flieht, Mitleidig selbst dem Neid -: Und hoch flog, wer ihn auch nur schweben sieht!

O Vogel Albatross! Zur Höhe treibt’s mit ew’gem Triebe mich! Ich dachte dein: da floss Mir Thrän’ um Thräne - ja, ich liebe dich!

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Illustration zu Vogel Albatross

Interpretation

Das Gedicht "Vogel Albatross" von Friedrich Nietzsche beschreibt die Bewunderung für den Albatros, der als Symbol für Freiheit und Unabhängigkeit steht. Der Albatros wird als ein Wesen dargestellt, das mühelos durch die Lüfte schwebt und dabei die Grenzen der Erde überwindet. Die Frage, was den Vogel trägt und lenkt, deutet auf eine mystische Kraft hin, die über menschliches Verständnis hinausgeht. In den folgenden Strophen wird die Erhabenheit des Albatros weiter betont. Er hat die höchsten Höhen erreicht und wird nun vom Himmel selbst getragen. Der Vogel vergisst seinen eigenen Sieg und wird zu einem Teil der Ewigkeit. Seine Anwesenheit ist so beeindruckend, dass schon das bloße Beobachten seines Gleitens als ein hoher Flug für den Betrachter empfunden wird. Das Gedicht endet mit einer persönlichen Bekenntnis des lyrischen Ichs, das sich selbst mit dem Albatros verbunden fühlt. Die Sehnsucht nach der Höhe und die emotionale Reaktion auf den Gedanken an den Vogel zeigen eine tiefe Bewunderung und Liebe. Der Albatros wird zum Sinnbild für die unerreichbaren Ideale und die ewige Suche nach dem Höheren.

Schlüsselwörter

hebt flog selbst wunder fliegt steigt empor flügel

Wortwolke

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Stilmittel

Alliteration
Die Wiederholung des 's' in 'schweben sieht' erzeugt einen Klang, der die Sanftheit und Leichtigkeit des Albatros betont.
Anapher
Die Wiederholung von 'O' am Anfang der Strophen erzeugt einen rhythmischen und betonenden Effekt.
Apostrophe
Der Dichter spricht den Albatros direkt an, als ob er ihn hören könnte, besonders in 'O Vogel Albatross!' und 'Ich dachte dein: da floss'
Enjambement
Der Übergang von einer Zeile zur nächsten ohne Pause, wie in 'O Wunder! Fliegt er noch? Er steigt empor und seine Flügel ruhn!', erzeugt einen fließenden Rhythmus.
Hyperbel
Die Beschreibung des Albatros, der 'gleich Stern und Ewigkeit' lebt, übertreibt seine Bedeutung und Unsterblichkeit.
Kontrast
Der Kontrast zwischen dem aktiven Fliegen und dem stillen Schweben betont die Veränderung im Zustand des Albatros.
Metapher
Der Albatros wird als Metapher für den menschlichen Streben nach Höherem und Unerreichbarem verwendet.
Personifikation
Der Himmel selbst hebt den siegreich Fliegenden, was dem Himmel menschliche Eigenschaften zuschreibt.
Symbolik
Der Albatros symbolisiert Freiheit, Sehnsucht und das Streben nach dem Unerreichbaren.