Völkerhaß
unknownDurch Zäune trennt man Herden auf der Weide, Nach Grenzen, die durch Herrschermacht sich ändern, Nach Ursprung, Sitten, Sprachen und Gewändern Zieht man der Menschheit bunte Völkerscheide.
Doch Gott will nicht, daß Volk und Volk sich meide: Das Meer bis zu des Erdballs fernsten Rändern Wogt als Vermittler zwischen allen Ländern, Es trennt zwei Welten und vereinigt beide.
Allein der Vorurtheile tiefe Kluft Trennt Volk von Volk. Wie Gras auf beiden Seiten Wuchert die Thorheit, die das Fremde meidet.
Doch hohe Bäume ragen durch die Luft, Die Zweig′ und Krone sich entgegenbreiten Der Kluft nicht achtend, die die Wurzeln scheidet.
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Interpretation
Das Gedicht "Völkerhaß" von Friedrich von Bodenstedt beschreibt die künstlichen Grenzen und Unterschiede, die zwischen den Völkern bestehen. Es beginnt mit der Darstellung, wie Herden auf der Weide durch Zäune getrennt werden und wie die Menschheit nach Grenzen, Herkunft, Sitten, Sprachen und Kleidung in verschiedene Völker aufgeteilt wird. Im zweiten Teil des Gedichts wird betont, dass Gott nicht will, dass sich die Völker meiden. Das Meer wird als Vermittler zwischen den Ländern dargestellt, das zwar zwei Welten trennt, aber auch beide verbindet. Es symbolisiert die Möglichkeit des Austauschs und der Verbindung zwischen den Völkern. Der letzte Teil des Gedichts kritisiert die tiefe Kluft, die durch Vorurteile zwischen den Völkern entsteht. Die Torheit, das Fremde zu meiden, wird mit dem unkontrollierten Wachstum von Gras auf beiden Seiten der Kluft verglichen. Doch es gibt auch Hoffnung in Form von hohen Bäumen, die durch die Luft ragen und ihre Zweige und Kronen einander entgegenstrecken, ungeachtet der Kluft, die ihre Wurzeln trennt. Diese Bäume symbolisieren die Möglichkeit der Überwindung von Vorurteilen und der Verbindung zwischen den Völkern.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Metapher
- Doch hohe Bäume ragen durch die Luft
- Personifikation
- Das Meer bis zu des Erdballs fernsten Rändern
- Vergleich
- Wie Gras auf beiden Seiten