Vittoria Colonna
1862Wenn Neid das Zeichen nicht gemeiner Seelen, Vor allen Frauen müßt′ ich dich beneiden!
Du lebtest in des Geistes heil′gen Zeiten, Da Poesie und Kunst sich neu vermählen;
Du durftest zwischen Myrth′ und Lorbeer wählen, Doch höchste Lebensfülle zu bereiten,
Wand dir die Muse einen Kranz aus beiden, Damit der Gattin Wonne könnt′ erzählen
Die Dichterin, die doppelt sie empfunden; Und als er starb, dem sie sich treu verbunden, Da war ihr Lied nur seinem Preis geweiht!
O herrlich Loos! erst Poesie zu nähren
An ird′scher Liebe, und dann hold verklären Sie im Gesange zur Unsterblichkeit!
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Interpretation
Das Gedicht "Vittoria Colonna" von Luise Büchner handelt von der italienischen Dichterin Vittoria Colonna, die im 16. Jahrhundert lebte und für ihre Liebesgedichte an ihren verstorbenen Ehemann bekannt war. Die Autorin preist Colonna als eine außergewöhnliche Frau, die in einer Zeit des geistigen und künstlerischen Aufbruchs lebte und die es verstand, Poesie und Liebe auf einzigartige Weise zu verbinden. Büchner beschreibt Colonna als eine Frau, die zwischen Myrte und Lorbeer wählen konnte, den Symbolen für Liebe und Poesie. Sie entschied sich dafür, einen Kranz aus beiden zu flechten, um als Dichterin und Ehefrau gleichermaßen zu glänzen. Die Autorin betont, dass Colonna ihre Liebe zu ihrem Mann doppelt empfand, da sie sowohl als Ehefrau als auch als Dichterin an ihn gebunden war. Nach seinem Tod widmete sie ihre Lieder ausschließlich seinem Andenken. Das Gedicht endet mit einer Hommage an Colonna, die als ein "herrlich Loos" bezeichnet wird. Büchner preist die Tatsache, dass Colonna ihre Poesie durch ihre irdische Liebe nährte und diese dann in ihren Gesängen zur Unsterblichkeit verklärte. Das Gedicht ist somit eine Würdigung von Vittoria Colonnas einzigartiger Fähigkeit, Liebe und Poesie zu vereinen und durch ihre Kunst Unsterblichkeit zu erlangen.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Alliteration
- hold verklären
- Bildsprache
- Zwischen Myrth′ und Lorbeer wählen
- Hyperbel
- Vor allen Frauen müßt′ ich dich beneiden
- Metapher
- Sie im Gesange zur Unsterblichkeit
- Parallelismus
- O herrlich Loos! erst Poesie zu nähren An ird′scher Liebe, und dann hold verklären
- Personifikation
- da Poesie und Kunst sich neu vermählen