Vision
1922! Stöhnendes Graugelb. Aber das Stöhnen nur im Blick. Lautlos sonst und mit unterdrücktem Atem.
! Und ein Blau, Ein Blau, aus dem ganz zarte silberne Glocken spiele singen, Und ein Duft geht von Sonnenwärme und Mandelblüten.
! Silber darüber. Duftleeres, schneekühles Silber. Aber aus allem hebt sich steif Und hebt sich fahl, wie Gewitterlicht, Das stumme Graugelb. Und hebt sich lautlos stöhnend wie Asche, Mit welkem darbenden Blick.
! Ein Gesicht - die starre Maske eines Toten - Ein Kopf - aus dem Blau - aus dem blauen, glatten Wasser. Braunviolette Strähne - Haare in die Stirn, Das eine Auge schief, spitze Wangenknochen, Und trieft von den Schläfen das braunviolette Haar Über das öde aschige Gelb.
Und darüber: über das blaue Wasser Silbern ein Schwan. Silbern die Reflexe von Wolken, Duftleer, schneekühl.
In das Blau, In das Silber Ragt der gelbaschige Kopf des Ertrunkenen. Und der Schwan zieht reglos vorbei, Reglos die Reflexe der Wolken.
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Interpretation
Das Gedicht "Vision" von Max Dauthendey beschreibt eine surreale und traumhafte Szene, die von starken Kontrasten und Farben geprägt ist. Die Atmosphäre ist von einer Mischung aus Stille, Trauer und Schönheit durchdrungen. Das Gedicht beginnt mit einem "stöhnenden Graugelb", das nur im Blick zu hören ist, ansonsten lautlos und mit unterdrücktem Atem. Dieses Graugelb wird als stumm und welk beschrieben, mit einem darbenden Blick. Es wird von einem leuchtenden Blau umgeben, aus dem zarte silberne Glockenklänge zu hören sind und ein Duft von Sonnenwärme und Mandelblüten ausgeht. Über allem liegt ein silbernes, duftleeres und schneekühles Licht. Im zweiten Teil des Gedichts wird ein Gesicht beschrieben, das als "starre Maske eines Toten" bezeichnet wird. Es handelt sich um einen ertrunkenen Kopf, der aus dem blauen, glatten Wasser ragt. Das Gesicht hat schiefe Augen, spitze Wangenknochen und braunviolette Haare, die von den Schläfen über das aschige Gelb triefen. Über dem blauen Wasser schwebt ein silberner Schwan, und die Reflexe der Wolken sind ebenfalls silbern, duftleer und schneekühl. Das Gedicht endet mit der Beschreibung, wie der gelbaschige Kopf des Ertrunkenen in das Blau und Silber ragt, während der Schwan reglos vorbeizieht und die Reflexe der Wolken ebenfalls reglos sind. Die Szene bleibt in ihrer surrealen Schönheit und Stille gefangen, ohne dass sich etwas verändert oder bewegt.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Alliteration
- Duftleeres, schneekühles Silber
- Anapher
- Und ein Blau, / Ein Blau, aus dem ganz zarte silberne Glocken spiele singen, / Und ein Duft geht von Sonnenwärme und Mandelblüten.
- Bildsprache
- In das Blau, / In das Silber / Ragt der gelbaschige Kopf des Ertrunkenen
- Kontrast
- Silbern die Reflexe von Wolken, / Duftleer, schneekühl
- Metapher
- Ein Gesicht - die starre Maske eines Toten
- Personifikation
- Stöhnendes Graugelb
- Symbolik
- Schwan
- Wiederholung
- Und hebt sich steif / Und hebt sich fahl, wie Gewitterlicht, / Das stumme Graugelb. / Und hebt sich lautlos stöhnend wie Asche