Vil wol gelobter got...

Walther von der Vogelweide

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Vil wol gelobter got, wie selten ich dich prîse, sît ich von dir beide wort hân unde wîse! wie getar ich sô gefreveln under dîme rîse? Ichn tuon diu rehten werc, ichn hân die wâren minne ze mînem ebenkristen, hêrre vater, noch ze dir: sô holt enwart ich ir dekeinem nie sô mir. Krist, vater unde sun, dîn geist berihte mîne sinne. Wie solt ich den geminnen der mir übele tuot? mir muoz der iemer lieber sîn der mir is guot vergib mir anders mîne schulde, ich wil noch haben den muot.

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Interpretation

Das Gedicht "Vil wol gelobter got" von Walther von der Vogelweide ist ein Gebet, das die tiefe religiöse Überzeugung und die persönliche Beziehung des Dichters zu Gott zum Ausdruck bringt. Walther beginnt mit einer Lobpreisung Gottes, wobei er seine Seltenheit im Lobpreisen betont, was auf eine tiefe Demut und die Anerkennung seiner eigenen Unvollkommenheit hindeutet. Er fragt sich, wie er unter Gottes Gnade sündigen konnte, was auf ein Gefühl der Schuld und den Wunsch nach Vergebung hindeutet. Im weiteren Verlauf des Gedichts bekennt Walther seine Reue und seinen Wunsch, die rechten Werke zu tun und die wahre Liebe zu seinem Nächsten zu zeigen. Er bittet Gott, seinen Geist zu erleuchten, damit er die richtigen Entscheidungen treffen und sich auf das Gute konzentrieren kann. Der Dichter betont die Bedeutung der Vergebung und der Bewahrung eines positiven Geistes, selbst angesichts der eigenen Fehler und Sünden. Insgesamt vermittelt das Gedicht eine Botschaft der Demut, der Reue und der Hoffnung auf Erlösung durch Gottes Gnade. Walther von der Vogelweide zeigt sich als ein gläubiger Mensch, der um Vergebung bittet und sich bemüht, ein Leben im Einklang mit den christlichen Werten zu führen. Das Gedicht ist ein Beispiel für die mittelhochdeutsche Lyrik und die tiefe Religiosität der Zeit.

Schlüsselwörter

unde ichn vater vil wol gelobter got selten

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Stilmittel

Anapher
Vil wol gelobter got, wie selten ich dich prîse, sît ich von dir beide wort hân unde wîse! wie getar ich sô gefreveln under dîme rîse?
Apostrophe
Vil wol gelobter got
Chiasmus
Krist, vater unde sun, dîn geist berihte mîne sinne
Enjambement
sît ich von dir beide wort hân unde wîse! wie getar ich sô gefreveln under dîme rîse?
Hyperbaton
Ich tuon diu rehten werc, ichn hân die wâren minne ze mînem ebenkristen, hêrre vater, noch ze dir
Rhetorical Question
Wie solt ich den geminnen der mir übele tuot?