Verzeihlich

Wilhelm Busch

1908

Er ist ein Dichter; also eitel. Und, bitte, nehmt es ihm nicht krumm, Zieht er aus seinem Lügenbeutel So allerlei Brimborium.

Juwelen, Gold und stolze Namen, Ein hohes Schloß, im Mondenschein Und schöne, höchstverliebte Damen, Dies alles nennt der Dichter sein.

Indessen ist ein enges Stübchen Sein ungeheizter Aufenthalt. Er hat kein Geld, er hat kein Liebchen, Und seine Füße werden kalt.

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Illustration zu Verzeihlich

Interpretation

Das Gedicht "Verzeihlich" von Wilhelm Busch schildert die Kluft zwischen der eitlen Selbstdarstellung eines Dichters und seiner tatsächlichen, bescheidenen Existenz. Der Dichter wird als eitler Mensch dargestellt, der aus seinem "Lügenbeutel" fantastische und prachtvolle Dinge hervorzieht, um seine Zuhörer zu beeindrucken. Dieses Brimborium, also der wertlose, aber glänzende Tand, umfasst Juwelen, Gold, stolze Namen, ein mondbeschienenes Schloss und verliebte Damen. All diese Elemente dienen dazu, ein Bild von Reichtum und Anerkennung zu vermitteln, das der Dichter in Wirklichkeit nicht besitzt. In der zweiten Strophe wird der Kontrast zwischen der erträumten und der realen Welt des Dichters deutlich. Während er in seinen Erzählungen von Luxus und Liebe schwärmt, ist sein tatsächlicher Aufenthaltsort ein enges, ungeheiztes Stübchen. Der Dichter lebt in Armut, besitzt kein Geld und hat auch kein Liebchen an seiner Seite. Die Kälte, die seine Füße erfassen, symbolisiert sowohl die physische als auch die emotionale Kälte seines Lebens. Diese Diskrepanz zwischen Schein und Sein macht den Dichter zu einer tragischen Figur, die in ihrer Eitelkeit gefangen ist. Busch vermittelt durch dieses Gedicht eine Kritik an der Kunst und den Künstlern, die sich in ihrer Selbstüberschätzung verlieren. Der Dichter wird als jemand dargestellt, der die Realität verdrängt und stattdessen in einer Welt der Illusionen lebt. Gleichzeitig regt das Gedicht den Leser dazu an, über die Natur der Kreativität und die Rolle der Fantasie im Leben nachzudenken. Es stellt die Frage, ob die Flucht in die Fantasie ein notwendiger Ausgleich zur harten Realität ist oder ob sie als Verdrängung der Wahrheit betrachtet werden sollte.

Schlüsselwörter

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Stilmittel

Bildsprache
Juwelen, Gold und stolze Namen, Ein hohes Schloß, im Mondenschein Und schöne, höchstverliebte Damen, Dies alles nennt der Dichter sein.
Gegenüberstellung
Indessen ist ein enges Stübchen Sein ungeheizter Aufenthalt.
Ironie
Und, bitte, nehmt es ihm nicht krumm, Zieht er aus seinem Lügenbeutel So allerlei Brimborium.
Kontrast
Er hat kein Geld, er hat kein Liebchen, Und seine Füße werden kalt.
Metapher
Er ist ein Dichter; also eitel.