Verwunschene

Bess Brenck-Kalischer

1878

In den Armen der Mühle hängen die bleichen Verwunschenen Drehen langsam den Stein des Brotes, Unendlich geduldig. Rings im Lande jagen die Prasser, Aber die bleichen Verwunschenen Mahlen unendlich geduldig das Korn. Fängt ein Sturm ihre langen Ärmel Sinken sie stumm in die heilige Erde. Schicken von neuem bleiche Gesellen Den Armen der Mühle Geduldig, unendlich, Verwunschen.

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Illustration zu Verwunschene

Interpretation

Das Gedicht "Verwunschene" von Bess Brenck-Kalischer thematisiert die Ausbeutung und das stille Leiden der Arbeiter in einer Mühle. Die "bleichen Verwunschenen" werden als Opfer einer magischen oder gesellschaftlichen Verzauberung dargestellt, die sie dazu zwingt, unermüdlich und ohne Klage zu arbeiten. Ihre bleiche Erscheinung deutet auf Erschöpfung und Entfremdung von der Natur hin, während die "Arme der Mühle" sie wie in einem Bann halten. Die Mühle selbst wird zum Symbol für den unaufhaltsamen Zyklus der Arbeit, der Brot und somit das Überleben sichert. Die Arbeiter drehen "langsam den Stein des Brotes", was sowohl die körperliche Anstrengung als auch die Bedeutung ihrer Arbeit für die Gesellschaft unterstreicht. Doch während die "Prasser" im Lande jagen und vermutlich in Luxus schwelgen, mahlen die Verwunschenen geduldig das Korn, ohne Anerkennung oder Belohnung. Diese Gegenüberstellung verdeutlicht die soziale Ungleichheit und die Ausbeutung der Arbeiterklasse. Die Stürme, die die "langen Ärmel" der Arbeiter fangen, symbolisieren die Gefahren und Herausforderungen, denen sie ausgesetzt sind. Doch statt zu protestieren oder zu fliehen, "sinken sie stumm in die heilige Erde", was sowohl ihren Tod als auch ihre Hingabe an ihre Arbeit andeutet. Die Erde wird als "heilig" beschrieben, was die Würde und den Wert ihrer Arbeit betont, auch wenn sie unbeachtet bleibt. Schließlich werden "bleiche Gesellen" nachgeschickt, um die Arbeit fortzusetzen, was den endlosen Kreislauf der Ausbeutung verdeutlicht. Das Gedicht endet mit der Wiederholung von "geduldig, unendlich, verwunschen", was die Unentrinnbarkeit ihres Schicksals unterstreicht.

Schlüsselwörter

unendlich geduldig armen mühle bleichen verwunschenen hängen drehen

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Stilmittel

Alliteration
bleichen Verwunschenen
Bildsprache
Fängt ein Sturm ihre langen Ärmel Sinken sie stumm in die heilige Erde
Hyperbel
Unendlich geduldig
Kontrast
Rings im Lande jagen die Prasser, Aber die bleichen Verwunschenen Mahlen unendlich geduldig das Korn
Metapher
In den Armen der Mühle hängen die bleichen Verwunschenen
Personifikation
Drehen langsam den Stein des Brotes
Symbolik
Den Armen der Mühle