Verwunderte Strophen
unknownMädchen! Bist du ein Wunder! Daß du aufleuchtend dastehst! Und lebst! Und Fleisch bist! Wunder du und Hirngeborenes, das da war, als ich außer mir selbst geriet in quälender Nacht, da ein anderer seinen Arm dir um die Hüften legte!
Du! Nah! lodernd nah! Du bist mein Atem! Du bist meine Flamme, die hinstirbt, wenn ich meine Sehnsucht dämpfe! Wenn ich mein Leben zurückdämme! - Nun aus der Ferne muß ich deine Lichter anstaunen. Aber meine Sehnsucht ist vorstoßend ein Feuersturm! Und mein Leben ist eine Geistgewalt in die Weite!
Deine Augen sind zwei Spielkinder, die mit blanken Händen eine Fackel vorhalten, träumend fast, eine blaue Brandfackel hinstrecken in mein Herz. - Halt! Halt! Wartet! Ein Faß voll Dynamit ist dort verstapelt: drauf habe ich unvorsichtig die Treue, die Ehre der Freundestreue niedergelegt.
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Interpretation
Das Gedicht "Verwunderte Strophen" von Ernst Wilhelm Lotz thematisiert die überwältigende Faszination und Sehnsucht des lyrischen Ichs nach einem Mädchen. Das Gedicht beginnt mit einer Verwunderung über die Existenz des Mädchens, das als "Wunder" und "Hirngeborenes" beschrieben wird. Das lyrische Ich erinnert sich an eine Nacht, in der es außer sich selbst geriet und ein anderer dem Mädchen seinen Arm um die Hüften legte. Dies deutet auf eine vergangene Beziehung oder eine unerfüllte Sehnsucht hin. Im zweiten Teil des Gedichts beschreibt das lyrische Ich die intensive Nähe und Verbundenheit zu dem Mädchen. Es betont, dass das Mädchen sein "Atem" und seine "Flamme" ist, die erlischt, wenn er seine Sehnsucht dämpft oder sein Leben zurückdämmt. Trotz der räumlichen Distanz brennt die Sehnsucht des lyrischen Ichs wie ein "Feuersturm" und sein Leben ist eine "Geistgewalt in die Weite". Die Augen des Mädchens werden als "Spielkinder" beschrieben, die eine "blaue Brandfackel" in das Herz des lyrischen Ichs halten. Dies symbolisiert die Anziehungskraft und die emotionale Intensität der Beziehung. Im letzten Teil des Gedichts warnt das lyrische Ich das Mädchen vor der Gefahr, die in seiner Nähe lauert. Es vergleicht sich selbst mit einem Fass voller Dynamit, auf das es unvorsichtigerweise die "Treue" und die "Ehre der Freundestreue" niedergelegt hat. Dies deutet darauf hin, dass das lyrische Ich in seiner Leidenschaft und Sehnsucht die Kontrolle verloren hat und sich in einer gefährlichen Situation befindet. Das Gedicht endet mit einem Appell an das Mädchen, anzuhalten und zu warten, bevor es zu spät ist.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Hyperbel
- Und mein Leben ist eine Geistgewalt in die Weite!
- Metapher
- die Treue, die Ehre der Freundestreue niedergelegt
- Personifikation
- Du bist mein Atem! Du bist meine Flamme
- Symbolik
- ein Faß voll Dynamit
- Vergleich
- Deine Augen sind zwei Spielkinder