Verwandlung
1913Entlang an Gärten, herbstlich rotversengt: Hier zeigt im Stillen sich ein tüchtig Leben. Des Menschen Hände tragen braune Reben, Indes der sanfte Schmerz im Blick sich senkt.
Am Abend: Schritte gehn durch schwarzes Land Erscheinender in roter Buchen Schweigen. Ein blaues Tier will sich vorm Tod verneigen Und grauenvoll verfällt ein leer Gewand.
Geruhiges vor einer Schenke spielt, Ein Antlitz ist berauscht ins Gras gesunken. Hollunderfrüchte, Flöten weich und trunken, Resedenduft, der Weibliches umspült.
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Interpretation
Das Gedicht "Verwandlung" von Georg Trakl beschreibt eine herbstliche Szenerie, die von Verfall und Veränderung geprägt ist. Die ersten Strophen schildern die Verwandlung der Natur im Herbst, wobei die Gärten "herbströtversengt" sind und die Menschen mit "braunen Reben" arbeiten. Der "sanfte Schmerz" im Blick der Menschen deutet auf eine melancholische Stimmung hin, die mit dem Vergehen des Sommers einhergeht. Die zweite Strophe führt düstere Elemente ein. Die "Schritte" durch das "schwarze Land" und die "Erscheinender in roter Buchen Schweigen" erzeugen eine unheimliche Atmosphäre. Das "blaue Tier", das sich "vorm Tod verneigen" will, symbolisiert den unausweichlichen Tod und Verfall. Das "grauenvoll verfällt ein leer Gewand" verstärkt den Eindruck von Vergänglichkeit und Leere. In der letzten Strophe kehrt eine gewisse Ruhe ein, jedoch durchdrungen von einem Gefühl der Betäubung und Trunkenheit. Die "geruhige" Szene vor der Schenke, das "berauschte" Antlitz im Gras und die "weichen, trunkenen" Flötenklänge vermitteln einen Zustand der Verzückung oder des Rausches. Die "Resedenduft, der Weibliches umspült" könnte als Verführung oder als Trost inmitten des Verfalls interpretiert werden. Insgesamt vermittelt das Gedicht eine Atmosphäre des Übergangs, des Wandels und der Vergänglichkeit, die sowohl beunruhigend als auch faszinierend wirkt.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Bildsprache
- Resedenduft, der Weibliches umspült
- Metapher
- Flöten weich und trunken
- Personifikation
- blaues Tier will sich vorm Tod verneigen