Verwalte dich selbst

Peter Hille

1877

Bist du da, aus weißem Scheitel Wilde Würde auszuscheinen Wie die Kerzen, die so eitel Prunkgemächer zeigen, Der Gardinen leichter Reigen, Tische hell gleich lichten Steinen. Doch das Dunkel will nicht weichen. Nicht einmal aus dem Gemach. Nicht die müde Würde, Nicht des Amtes tief begrüßte Bürde Müd und matt, Da man nichts getragen hat. Ich will Taten, Taten will ich tun. Neue Welten tragen. Schreitend Berge überragen, Dann bei anderen Menschen ruhen, Die wie sie auch durchs Leben rollen, Steigen wollen. Nichts Eingewickeltes, kein Ehrenkleid Und keines Ordens nichtiges Geschmeid, Ich tue nur, verwalte nur mich selbst allein Und fange an, ein Mensch zu sein. Ein Mensch, der von der Erde, von dem Himmel Nimmt und ihnen wiedergibt Bei dem alldrängend Geistesteilchen wimmelt Die leuchten wie sie ihn genippt. Ein großer, der das Ganze zieht aus Teilen Es gibt ein Fallen, das Gesetz und Weitereilen. Da ist alles Sehnen Und das wird treiben, Da gibt es kein weltüberschreitendes Wähnen Unfertiges Bleiben. Da ist kein hohes Weltüberschreiten Das rasend bewunderte Hütebegleiten Die Straßen entlang auf beiden Seiten.

Alles nur kein plumpes Graus Zurück das alles und da wenn ich winke Lallend stotternd genug das Gebraus.

Bist du da, aus weißem Scheitel Milde Würde auszuscheinen, Wie die Kerzen die euch eitel Prunkgemächer zeigen, Der Gardinen leichte Reigen, Tische hell gleich leichten Steinen?

Nein, Sei und strahle Die durch dich gegangene Welt In deinem Striche weiter. Dann steigen dir von deiner Gäste Mahle Blitzende Pokale Dir ferner Liebe Feuerwein. Blutdunkel schmiegend wärmt. Und dieses Blut wie Wangen fahl gehärmt, In nah’ erloschener Augen neu Geleucht. Wie eine Mutter die an ihrer Liebe säugt Das schlummerspielend ungesorgte Kind, So fühlst du die von dir schon alle steigend sind.

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Illustration zu Verwalte dich selbst

Interpretation

Das Gedicht "Verwalte dich selbst" von Peter Hille ist eine tiefgründige Auseinandersetzung mit der menschlichen Existenz und dem Streben nach Selbstverwirklichung. Es beginnt mit einer Betrachtung der äußeren Erscheinung von Würde und Ansehen, die durch äußere Attribute wie Kerzen, Gardinen und Tische symbolisiert wird. Diese äußere Pracht kann jedoch das innere Dunkel nicht erhellen und verblasst im Vergleich zur Sehnsucht nach echten Taten und Erlebnissen. Der Sprecher sehnt sich danach, Berge zu überragen, neue Welten zu tragen und bei anderen Menschen zu ruhen, die ebenfalls durchs Leben rollen und aufsteigen wollen. Im zweiten Teil des Gedichts lehnt der Sprecher die Rolle des passiven Beobachters ab und entscheidet sich stattdessen für ein aktives Leben. Er will nur sich selbst verwalten und beginnen, ein Mensch zu sein. Dies bedeutet, die Erde und den Himmel zu nehmen und ihnen wiederzugeben, von dem Geistesteilchen wimmelt, die leuchten wie sie ihn genippt. Der Sprecher strebt danach, ein großer Mensch zu sein, der das Ganze aus Teilen zieht und das Gesetz und Weitereilen versteht. Es gibt ein Fallen und ein Sehnen, das treiben wird, und es gibt kein weltüberschreitendes Wähnen oder unfertiges Bleiben. Der Sprecher lehnt das hohe Weltüberschreiten und das bewunderte Hütebegleiten ab und möchte sich von allem Plumpen und Grausamen distanzieren. Im dritten Teil des Gedichts fordert der Sprecher den Leser auf, zu sein und zu strahlen, die durch ihn gegangene Welt in seinem Striche weiterzuführen. Er imaginiert ein Festmahl, bei dem blitzende Pokale und ferner Liebe Feuerwein fließen. Das Blut, das wie Wangen fahl gehärmt ist, wird in den neu geleuchteten Augen wieder lebendig. Der Sprecher fühlt sich wie eine Mutter, die an ihrer Liebe säugt und das schlummerspielend ungesorgte Kind. Er spürt, dass alle von ihm schon alle steigen, was auf eine transformative Wirkung seiner Existenz auf andere hindeutet.

Schlüsselwörter

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Stilmittel

Alliteration
Müde Würde
Anapher
Bist du da, aus weißem Scheitel
Chiasmus
Ich tue nur, verwalte nur mich selbst allein
Hyperbel
Neue Welten tragen
Metapher
Blutdunkel schmiegend wärmt
Parallelismus
Nicht die müde Würde, / Nicht des Amtes tief begrüßte Bürde
Personifikation
Das Dunkel will nicht weichen
Vergleich
Wie eine Mutter die an ihrer Liebe säugt / Das schlummerspielend ungesorgte Kind