Verwahrung
1777Scheltet, ich bitte, mich nicht! Ich machte, beim delphischen Gotte, Nur die Verse; die Welt, nahm ich, ihr wißts, wie sie steht.
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Interpretation
Das Gedicht "Verwahrung" von Heinrich von Kleist ist ein kurzes, aber tiefgründiges Werk, das sich mit der Verantwortung des Dichters für seine Schöpfungen auseinandersetzt. Der Sprecher bittet darum, nicht geschmäht zu werden, und betont, dass er lediglich die Verse gemacht habe, während die Welt, wie sie ist, von ihm übernommen wurde. Dies impliziert eine gewisse Distanzierung des Dichters von der Verantwortung für die Inhalte seiner Gedichte, da er lediglich die Form, nicht aber den Inhalt geschaffen habe. Die Erwähnung des "delphischen Gottes" deutet auf eine göttliche Inspiration hin, die den Dichter zu seinen Versen geleitet hat. Dies unterstreicht die Idee, dass der Dichter eher als Werkzeug oder Medium fungiert, durch das die Verse entstehen, anstatt als ihr alleiniger Schöpfer. Die Welt, die in den Versen dargestellt wird, wird als gegeben hingenommen, was darauf hindeutet, dass der Dichter die Realität so wiedergibt, wie sie ist, ohne sie zu verändern oder zu idealisieren. Das Gedicht wirft Fragen nach der Rolle des Dichters in der Gesellschaft und der Verantwortung für seine Werke auf. Es scheint eine Verteidigung des Dichters gegen mögliche Kritik zu sein, indem es die Grenzen seiner Verantwortung absteckt. Der Dichter schafft die Verse, aber die Welt, die in ihnen dargestellt wird, ist bereits vorhanden und wird von ihm nicht verändert. Dies könnte als eine Reflexion über die Grenzen der Kunst und die Rolle des Künstlers in der Gesellschaft interpretiert werden.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Allusion
- beim delphischen Gotte
- Apostrophe
- Scheltet, ich bitte, mich nicht!
- Enjambment
- Nur die Verse; die Welt, nahm ich, ihr wißts, wie sie steht.