Vertauschte Liebhaber

Martin Greif

1868

Bergwasser rauscht voll Wildgetos′ – Ein Holzknecht steht darin, Wo′s stockt, macht er die Scheiter los, Die tanzen wirr dahin.

Wohl aus den Bergen hoch und frei Der Regen schwoll die Fluth, Vorbei geht aus der Jägerei Ein Bursch mit grünem Hut.

Der sieht hinab voll Pfiffigkeit: “Die Sennerin ist mein; Du laß dein Edelweiß bei Seit′ Und bild′ dir ja nix ein!”

Der Holzknecht denkt im Donner tief: “Die Förstersmagd ist mein; Setz′ deinen Hut nit gar so schief Und bild′ dir ja nir ein!”

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Illustration zu Vertauschte Liebhaber

Interpretation

Das Gedicht "Vertauschte Liebhaber" von Martin Greif erzählt von einem kurzen, aber aufschlussreichen Zusammentreffen zweier Männer am Rand eines Bergbaches. Der Holzknecht, tief im Wasser stehend, löst Holzscheite, die durch die Strömung tanzen, während ein Jäger vorbeikommt. Beide Männer sind in ihrer jeweiligen Welt verwurzelt und tragen die Zeichen ihrer Arbeit – der eine im Wasser, der andere mit seinem grünen Hut. Die Begegnung eskaliert schnell zu einem verbalen Schlagabtausch, bei dem jeder seine Ansprüche auf eine Frau aus der jeweils anderen Berufswelt geltend macht. Der Jäger beansprucht die Sennerin für sich und fordert den Holzknecht auf, sein Edelweiß – ein Symbol der alpinen Liebe – beiseitezulegen. Der Holzknecht kontert, indem er die Förstersmagd für sich beansprucht und den Jäger auffordert, seinen Hut nicht so schief zu setzen. Beide Männer sind von ihrer eigenen Überlegenheit überzeugt und unterschätzen den anderen. Das Gedicht endet ohne Auflösung, was die Eitelkeit und Selbstüberschätzung beider Männer unterstreicht. Ihre Ansprüche beruhen auf einer falschen Annahme, dass die jeweils andere Frau ihnen gehört. Die vertauschten Liebhaber symbolisieren die Unmöglichkeit, die Wünsche des anderen zu erfüllen, und die Absurdität ihrer Konfrontation. Greif nutzt die natürliche Umgebung und die Charaktereigenschaften der Männer, um eine humorvolle, aber auch nachdenkliche Betrachtung über menschliche Eitelkeit und die Unfähigkeit, die Perspektive des anderen zu verstehen, zu schaffen.

Schlüsselwörter

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Stilmittel

Bildsprache
Wohl aus den Bergen hoch und frei / Der Regen schwoll die Fluth
Direkte Rede
"Die Förstersmagd ist mein; / Setz' deinen Hut nit gar so schief / Und bild' dir ja nir ein!"
Innerer Monolog
Der Holzknecht denkt im Donner tief
Kontrast
Bergwasser rauscht voll Wildgetos' / Ein Holzknecht steht darin
Metapher
Bergwasser rauscht voll Wildgetos'
Personifikation
Bergwasser rauscht voll Wildgetos'