Versiegle mir die Zunge, binde mich...

Hugo Ball

1912

Versiegle mir die Zunge, binde mich Und raube mir die letzte Gabe. Verschütte meinen Wein, zerstreue mich, Daß ich in Dir gelitten habe.

Oh, hülle mich in Nacht, Barmherziger, Umstelle mich mit Deinen heiligen Bränden. Laß mich als Opfer fallen immerdar, Doch nur von Deinen priesterlichen Händen.

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Interpretation

Das Gedicht "Versiegle mir die Zunge, binde mich..." von Hugo Ball handelt von einer tiefen spirituellen Hingabe und dem Wunsch nach völliger Unterwerfung unter eine höhere Macht. Der Sprecher bittet darum, seine Zunge zu versiegeln, gebunden zu werden und die letzte Gabe genommen zu bekommen, was auf einen Verzicht auf weltliche Freiheiten und Fähigkeiten hindeutet. Der Wein, ein Symbol für Freude und Genuss, soll verschüttet und der Sprecher zerstreut werden, damit er in der höheren Macht gelitten hat. Dies impliziert eine Bereitschaft, Leiden und Verluste in Kauf zu nehmen, um eine tiefere spirituelle Verbindung zu erreichen. Im zweiten Teil des Gedichts bittet der Sprecher darum, in Nacht gehüllt und von heiligen Bränden umstellt zu werden. Die Nacht symbolisiert hier Dunkelheit und Ungewissheit, aber auch Schutz und Geborgenheit. Die heiligen Brände stehen für Reinigung und Transformation. Der Sprecher wünscht sich, ein ewiges Opfer zu sein, das nur von den priesterlichen Händen der höheren Macht genommen wird. Dies zeigt eine extreme Form der Selbstaufgabe und die Bereitschaft, sich vollständig der göttlichen Willkür zu unterwerfen. Insgesamt vermittelt das Gedicht ein Bild von intensiver spiritueller Sehnsucht und der Bereitschaft, alle weltlichen Bindungen und Fähigkeiten aufzugeben, um eine tiefe Verbindung mit dem Göttlichen zu erreichen. Die Sprache ist sehr bildhaft und emotional, was die Intensität der Gefühle des Sprechers unterstreicht. Es ist ein Gedicht über die Suche nach spiritueller Erleuchtung und die Bereitschaft, alles dafür zu opfern.

Schlüsselwörter

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Stilmittel

Apostrophe
Versiegle mir die Zunge, binde mich / Und raube mir die letzte Gabe.
Bildsprache
Oh, hülle mich in Nacht, Barmherziger, / Umstelle mich mit Deinen heiligen Bränden.
Hyperbel
Verschütte meinen Wein, zerstreue mich, / Daß ich in Dir gelitten habe.
Symbolik
Laß mich als Opfer fallen immerdar, / Doch nur von Deinen priesterlichen Händen.