Verschwendung und Geitz
1730Die Sonn ist albereit von uns hinweg gewichen; Es ist im Westen schon, das Abend-Roth verblichen. Die Nacht hat jez mit schwarz, den Himmel übermahlet, Aus dem ein zwitzernd Heer, zerstreuter Sternen strahlet. Der Mond erhellt die Erd, mit seinem schwächern Licht, Daß man die Gegen-Ständ, schwach und betrüglich sicht. Grillen, Wünsch, verliebte Stutzer, Eulen, Forcht und Nacht-Gespänster, Schwermen jetz durch alle Gassen, und umflattern thür und Fenster; Man hört nichts mehr, als wacher Hunde bällen etc.
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Interpretation
Das Gedicht "Verschwendung und Geitz" von Salomon Gessner beschreibt den Übergang vom Tag zur Nacht und die damit einhergehenden Veränderungen in der Natur und der Atmosphäre. Die Sonne ist bereits untergegangen und das Abendrot im Westen verblasst, während die Nacht mit ihrer dunklen Decke den Himmel überzieht. Der Mond erhellt die Erde mit seinem schwächeren Licht, sodass man die Gegenstände nur noch schwach und trübe erkennen kann. Diese Beschreibung der nächtlichen Szenerie schafft eine Stimmung der Ruhe und des Geheimnisvollen. In der zweiten Strophe werden verschiedene nächtliche Wesen und Gefühle erwähnt, die in dieser Zeit aktiv sind. Grillen, Wünsche, verliebte Stutzer, Eulen, Furcht und nächtliche Gespenster schwärmen durch die Gassen und flattern um Türen und Fenster. Diese Aufzählung vermittelt ein Gefühl der Unruhe und des Unbehagens, das mit der Dunkelheit einhergeht. Die Nacht wird als eine Zeit dargestellt, in der irrationale Ängste und Sehnsüchte aufkommen können. Der letzte Satz des Gedichts besagt, dass man nichts mehr hört als das Bellen wacher Hunde. Dies unterstreicht die Stille und Einsamkeit der Nacht, in der nur noch die Tiere aktiv sind. Das Gedicht vermittelt insgesamt eine Atmosphäre des Übergangs und der Veränderung, in der die Dunkelheit sowohl Gefahr als auch Möglichkeiten birgt. Es lädt den Leser dazu ein, über die verschiedenen Facetten der Nacht und ihre Auswirkungen auf die menschliche Psyche nachzudenken.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Alliteration
- Schwermen jetz durch alle Gassen
- Aufzählung
- Grillen, Wünsch, verliebte Stutzer, Eulen, Forcht und Nacht-Gespänster
- Bildsprache
- Aus dem ein zwitzernd Heer, zerstreuter Sternen strahlet
- Metapher
- die Nacht hat jez mit schwarz, den Himmel übermahlet
- Personifikation
- Die Sonn ist albereit von uns hinweg gewichen
- Vergleich
- Der Mond erhellt die Erd, mit seinem schwächern Licht