Die Sonn ist albereit von uns hinweg gewichen;
Es ist im Westen schon, das Abend-Roth verblichen.
Die Nacht hat jez mit schwarz, den Himmel übermahlet,
Aus dem ein zwitzernd Heer, zerstreuter Sternen strahlet.
Der Mond erhellt die Erd, mit seinem schwächern Licht,
Daß man die Gegen-Ständ, schwach und betrüglich sicht.
Grillen, Wünsch, verliebte Stutzer, Eulen, Forcht und Nacht-Gespänster,
Schwermen jetz durch alle Gassen, und umflattern thür und Fenster;
Man hört nichts mehr, als wacher Hunde bällen etc.
Verschwendung und Geitz
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Kurze Interpretation des Gedichts
Das Gedicht „Verschwendung und Geiz“ von Salomon Gessner beschreibt eine Szene am Abend, in der die Natur und die menschliche Welt in einer spezifischen Stimmung dargestellt werden. Der Autor nutzt poetische Bilder, um die Übergangszeit von Tag zu Nacht zu beschreiben und eine Atmosphäre von Melancholie und Geheimnis zu erzeugen. Die anfänglichen Verse beschreiben den Abschied der Sonne und die Ankunft der Nacht mit ihren typischen Merkmalen, wie dem verblassenden Abendrot und dem Erscheinen der Sterne.
Die zweite Hälfte des Gedichts verlagert den Fokus von der Natur auf die menschliche Aktivität und die Begleiterscheinungen der Nacht. Gessner beschreibt eine Welt, in der „Grillen, Wünsch, verliebte Stutzer, Eulen, Forcht und Nacht-Gespänster“ durch die Gassen schwärmen. Diese Aufzählung von Nachtfiguren und Stimmungen – von romantischen Wünschen über Ängste bis hin zu unheimlichen Erscheinungen – deutet auf die innere Unruhe und die verborgenen Gefühle hin, die in der Dunkelheit zum Vorschein kommen. Das Gedicht suggeriert, dass die Nacht eine Zeit der Entschleierung und der Hervorhebung von menschlichen Schwächen und Sehnsüchten ist.
Die Verwendung von Begriffen wie „Verschwendung“ und „Geiz“ im Titel des Gedichts legt eine tiefere Bedeutungsebene nahe. Obwohl diese Begriffe im Gedicht selbst nicht explizit erwähnt werden, implizieren sie eine Auseinandersetzung mit den Extremen menschlichen Verhaltens. Vielleicht symbolisiert die Nacht mit ihren vielfältigen Erscheinungen die Unberechenbarkeit und die Gegensätze im menschlichen Leben, zwischen Verschwendung und Geiz, zwischen Genuss und Sparsamkeit, zwischen Hoffnung und Angst.
Insgesamt ist Gessners Gedicht eine stimmungsvolle Reflexion über die Übergänge in der Natur und die damit verbundenen menschlichen Erfahrungen. Es fängt die Schönheit des Abendhimmels ein, während es gleichzeitig auf die verborgenen Aspekte des menschlichen Geistes und die Dichotomien des Lebens anspielt. Das Gedicht lädt den Leser ein, über die Natur der Nacht, die eigenen Emotionen und die zugrundeliegenden Spannungen zwischen Gegensätzen nachzudenken, die das menschliche Dasein ausmachen.
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