Verrauscht
1885Sturmwolken mir zu Häupten zieh’n, Verweht der Vögel Melodien Nach Südens Zauberlande; Nur einige Blumen einsam blüh’n, Im Sonnenstrahl sie nicht erglüh’n, Nun welken sie im Sande. Wirr braut der Nebel auf dem Fluß, Verrauscht ist längst der Liebe Kuß, Wie schwand der Lenz so balde! Rauh breitet nun sein Leichentuch Der Winter. Und ein düst’rer Fluch Legt sich auf Flur und Halde.
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Interpretation
Das Gedicht "Verrauscht" von Wilhelm Arent beschreibt den Übergang vom Herbst zum Winter und die damit einhergehende Melancholie und Vergänglichkeit. Der Herbst wird als eine Zeit des Verlustes und der Veränderung dargestellt, in der die Natur ihre Farbenpracht verliert und sich auf den Winterschlaf vorbereitet. Die stürmischen Wolken, die melodielosen Vögel und die einsamen, welkenden Blumen symbolisieren das Ende einer Ära und den Verlust der Lebensfreude. Der Nebel, der sich auf dem Fluss ausbreitet, und der verrauschte Kuss der Liebe verstärken die Atmosphäre der Einsamkeit und Vergänglichkeit. Im zweiten Teil des Gedichts wird der Winter als eine düstere und bedrohliche Zeit eingeführt. Der Winter wird als eine Art Totengräber dargestellt, der sein Leichentuch über die Landschaft breitet und sie in eine kalte, leblose Hülle hüllt. Der "düst're Fluch", der sich auf Flur und Halde legt, verstärkt die düstere Stimmung und deutet auf eine Art Fluch oder Verfluchung hin, die über der Natur liegt. Das Gedicht endet mit einem Gefühl der Hoffnungslosigkeit und der Erkenntnis, dass der Frühling, die Zeit der Erneuerung und des Wachstums, noch weit entfernt ist. Insgesamt vermittelt das Gedicht eine tief empfundene Traurigkeit und Melancholie angesichts der Vergänglichkeit der Natur und des Lebens. Es zeigt die Schönheit und den Schmerz des Übergangs von einer Jahreszeit zur nächsten und die damit verbundenen Veränderungen und Verluste. Das Gedicht regt zum Nachdenken über die Vergänglichkeit und die Schönheit der Natur an und ermutigt den Leser, die flüchtigen Momente des Lebens zu schätzen.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Alliteration
- Rauh breitet nun sein Leichentuch
- Metapher
- Ein düst'rer Fluch legt sich auf Flur und Halde
- Personifikation
- Sturmwolken mir zu Häupten zieh'n