Vernunft und Glück

Hermann Kurz

1813

Auf eigne Tat soll keiner sich verlassen: Noch ist kein Ird’scher selbstgerecht gestorben, Und weh’ ihm, der mit Flöten und Theorben Sein faules Lob verkündet auf den Gassen!

Ich habe nie das Brot mir schmecken lassen, Das ich im Schweiß des Angesichts erworben: Hab’ ich mit breitem Fleiß die Zeit verdorben. Mu? ich die Not und ach! mich selber hassen.

Zwar, was die Menschen Pflicht benennen, tu’ ich. Ich kann durch Disteln brechen und durch Dornen, Kann mit dem Hammer auf den Amboss klopfen;

Doch darum nicht in Stolz noch Freude ruh’ ich: - Zu Geist’gem kann den Geist das Glück nur spornen, Das leise nachts die Sterne niedertropfen.

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Illustration zu Vernunft und Glück

Interpretation

Das Gedicht "Vernunft und Glück" von Hermann Kurz beschäftigt sich mit den Themen Selbstständigkeit, Pflicht und der Suche nach Glück. Der Sprecher warnt davor, sich auf die eigene Tat zu verlassen, da noch kein Irdischer selbstgerecht gestorben ist. Er kritisiert diejenigen, die ihr faules Lob auf den Gassen verkünden und sich selbst überhöhen. Der Sprecher betont, dass er nie das Brot schmecken ließ, das er im Schweiße seines Angesichts erworben hat. Er hat die Zeit mit Fleiß verdorben und muss sich selbst hassen, wenn er in Not gerät. Der Sprecher behauptet, dass er seine Pflicht erfüllt und durch Disteln und Dornen brechen kann. Er kann mit dem Hammer auf den Amboss klopfen, aber er ruht nicht in Stolz oder Freude. Das Glück kann den Geist nur zum Geistigen spornen, das leise nachts die Sterne niedertropfen lässt. Der Sprecher scheint zu glauben, dass wahres Glück nur durch geistige Erleuchtung erreicht werden kann und nicht durch materiellen Erfolg oder Stolz. Insgesamt vermittelt das Gedicht eine Botschaft der Bescheidenheit und der Suche nach geistiger Erleuchtung. Der Sprecher warnt davor, sich selbst zu überhöhen und betont die Wichtigkeit, seine Pflicht zu erfüllen. Das Glück wird als etwas Geistiges dargestellt, das nur durch geistige Erleuchtung erreicht werden kann. Das Gedicht ermutigt den Leser, sich auf die Suche nach wahrem Glück und Erfüllung zu begeben, anstatt sich in materiellen Erfolg oder Stolz zu verlieren.

Schlüsselwörter

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Wortwolke

Wortwolke zu Vernunft und Glück

Stilmittel

Alliteration
Noch ist kein Ird'scher selbstgerecht gestorben
Antithese
Auf eigne Tat soll keiner sich verlassen: Noch ist kein Ird'scher selbstgerecht gestorben
Hyperbel
Hab' ich mit breitem Fleiß die Zeit verdorben
Kontrast
Ich kann durch Disteln brechen und durch Dornen, Kann mit dem Hammer auf den Amboss klopfen
Metapher
Mit Flöten und Theorben sein faules Lob verkündet
Personifikation
Das leise nachts die Sterne niedertropfen