Verloren

Felix Dörmann

unbekannt

Die schimmernde Pracht Deiner Glieder, Ich hab′ sie voll Andacht geschaut, Doch vor der umnachteten Seele Hat mir gegraut.

Ich hätte dich gerne, so gerne Emporgerissen zum Licht; Du aber - wild und trotzig - Du wolltest nicht.

Und doch war Deine Liebe Gewaltig, heiß und echt - - Ich aber ließ Dich fallen, - Und das war schlecht.

Du bist krank gewesen, Kleine Geliebte!? Krankhaft blaß ist Dein Antlitz, Matt Dein Auge, Mühsam schleppt sich Dein Schritt. Komm, o komm zu mir, Laß Dich stärken, laß Dich laben - - Fieberhaft heiß ist Deine Kleine Hand und Deine Nerven Zucken und schaudern, Du bist immer noch krank, Kleine Geliebte. Sag, wo ist Dein Lachen geblieben, Jenes helle, Auf- und niedersteigende Lachen, Wo Dein jauchzender Aufschrei, Der mich an Grußesstatt Immer empfing?! “Müde bist Du, sterbensmüde, Kleine Geliebte?!” Komm an mein Herz! Laß mich diesen zarten Busen, Der mir einstmals Voll und wogend entgegenschlug, Einmal noch röten mit lodernden Küssen. Besser fast noch als ich Weißt Du es selbst, Kleine Geliebte, Krank bist Du, todeskrank, Nichts kann Dich retten! Aber eine Nacht, eine Nacht Laß uns glücklich noch sein! Mög auch von Deinem Mund Tödlich das Gift Überfließen zu mir, Was liegt daran! - Sterbend noch wollen wir Höchster Wonnen tödliche Freuden Ausgenießen.

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Illustration zu Verloren

Interpretation

Das Gedicht "Verloren" von Felix Dörmann handelt von einer tiefen, aber unerfüllten Liebe. Der Sprecher beschreibt die schimmernde Pracht der Geliebten, die er voller Andacht betrachtet hat, doch vor ihrer "umnachteten Seele" hat er sich gefürchtet. Er hätte sie gerne zum Licht emporgerissen, doch sie war wild und trotzig und wollte nicht. Trotz der gewaltigen, heißen und echten Liebe der Geliebten hat der Sprecher sie fallen lassen, was er als schlecht empfindet. Im zweiten Teil des Gedichts scheint die Geliebte krank zu sein, ihr Antlitz ist krankhaft blass, ihr Auge matt und ihr Schritt mühsam. Der Sprecher bittet sie, zu ihm zu kommen, damit er sie stärken und laben kann. Er bemerkt, dass ihre Hand fieberhaft heiß ist und ihre Nerven zucken und schaudern. Er fragt sich, wo ihr Lachen und ihr jauchzender Aufschrei geblieben sind, die ihn immer empfingen. Der Sprecher erkennt, dass die Geliebte sterbenskrank ist und nichts sie retten kann. Dennoch bittet er sie, eine Nacht lang noch glücklich zu sein und die höchsten Wonnen und tödlichen Freuden auszuleben, selbst wenn es bedeutet, dass sie beide sterben.

Schlüsselwörter

kleine geliebte laß krank komm voll gerne heiß

Wortwolke

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Stilmittel

Anapher
Kleine Geliebte
Assonanz
schimmernde Pracht
Chiasmus
Ich hätte dich gerne, so gerne
Metapher
umschmachteten Seele
Synästhesie
lodernden Küssen