Verlangen

Kathinka Zitz-Halein

unknown

Wenn auf des Teiches klarem Spiegel, Die silberweißen Schwanen zieh’n, Dann möcht’ ich auf der Sehnsucht Flügel, Dem Land der Ruh entgegen flieh’n; Und wenn die Wellen rastlos eilen, Dann fühl’ ich mich so müd, so müd; Und säng’, das wunde Herz zu heilen, So gern mein letztes Schwanenlied.

Wenn rings um mich die Eichen rauschen, Dann möcht’ ich gern mein höchstes Gut, Die Lyra mit dem Grabe tauschen, Wo sich’s so still und friedlich ruht. Nichts hab’ ich hier als meine Lieder, Mein thränenfeuchtes Saitenspiel - Das andre nahm das Schicksal wieder, Und ließ mir nur das Wehgefühl.

Auch mich umspielten frohe Träume, Von Hoffnung schwärmt’ ich einst, von Glück! Sie kehrten all’ in lichtre Räume, Hinauf zur beßren Welt zurück. Zum Palmenthal möcht’ ich mich neigen, Wo Ruh dem müden Dulder lohnt, Wo alle Lästerzungen schweigen, Nur Lieb’ und stiller Friede wohnt.

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Illustration zu Verlangen

Interpretation

Das Gedicht "Verlangen" von Kathinka Zitz-Halein beschäftigt sich mit dem tiefen Verlangen nach Ruhe und Frieden angesichts von Sehnsucht und Schmerz. Die Autorin verwendet Naturbilder wie den klaren Teich, die Schwanen und die Eichen, um ihre innere Unruhe und den Wunsch nach einem Ort der Stille auszudrücken. Im ersten Teil des Gedichts wird die Sehnsucht nach einem "Land der Ruh" deutlich, einem Ort, an dem der Sprecher dem Schmerz entfliehen kann. Die Bilder der Schwanen und der Wellen verstärken das Gefühl der Rastlosigkeit und des Wunsches, sich von der Welt zu lösen. Das "letzte Schwanenlied" symbolisiert den Wunsch, durch die Kunst Trost zu finden und den Schmerz zu lindern. Im zweiten Teil des Gedichts wird die Unzufriedenheit mit dem gegenwärtigen Leben noch deutlicher. Der Sprecher sehnt sich danach, seine "Lyra" (symbolisch für seine Kunst oder sein Talent) gegen die Ruhe des Grabes einzutauschen. Das "wunde Herz" und das "Thränenfeuchtes Saitenspiel" verdeutlichen den emotionalen Schmerz, den die Autorin erlebt. Das Schicksal hat ihr alles genommen, außer dem "Wehgefühl", was auf eine tiefe Trauer oder Verlust hindeutet. Im letzten Teil des Gedichts blickt die Autorin auf vergangene Träume von Hoffnung und Glück zurück, die nun verloren sind. Sie sehnt sich nach einem Ort der Ruhe und des Friedens, einem "Palmenthal", wo sie von der "müden Dulder" Ruhe finden kann. Dieser Ort ist frei von "Lästerzungen" und erfüllt von Liebe und stiller Friede, was auf einen idealen Zustand der Seelenruhe und des inneren Friedens hindeutet.

Schlüsselwörter

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Wortwolke

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Stilmittel

Alliteration
Nur Lieb' und stiller Friede wohnt
Metapher
Das Palmenthal als Symbol für einen Ort der Ruhe und des Friedens nach dem Tod.
Personifikation
Die Wellen eilen rastlos, als hätten sie einen eigenen Willen.